Fünf Fragen an Johanna Jüngling

Johanna Jüngling ist eine Frau mit kinnlangen blonden Haaren und trägt einen schwarzen Blazer. Sie berät eine junge Mentee mit schulterlangen braunen Haare und setzt ihre Hände engagiert für Gestik im Gespräch ein

Johanna Jüngling leitet seit Kurzem die Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald und bringt jede Menge Führungserfahrung aus vielen Jahren bei der Bundeswehr mit sowie eine Ausbildung zum systemischen Coach. (Foto: Franziska Kraufmann)

Die neue Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald im Interview

Das Jahr 2026 bringt einige Veränderungen in den Kontaktstellen Frau und Beruf mit sich. Neue Träger, neue Gesichter und neue Kontaktstellen – es hat sich schon einiges getan zum Jahreswechsel beziehungsweise tut sich immer noch. Wir werden nach und nach berichten. Als Erstes stellen wir die neue Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald vor: Johanna Jüngling. Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Motivation, Arbeit und Ziele.

 

Frau und Beruf: Frau Jüngling, was fasziniert Sie an Ihrer neuen Stelle?

Johanna Jüngling: Mich begeistert vor allem die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen. Ich arbeite mit Frauen, die etwas verändern wollen, und darf sie ein Stück auf diesem Weg begleiten. Genau diese Begegnungen sind für mich unglaublich wertvoll.

Was mich persönlich besonders fasziniert, ist die Vielfalt der Lebensläufe und die vielen inspirierenden Geschichten, die dahinterstehen. Jede Frau bringt ihre eigenen Erfahrungen, Perspektiven und Stärken mit und genau darin liegt so viel Potenzial.

Besonders bewegend finde ich die Momente, in denen Frauen anfangen, an sich selbst zu glauben und merken: „Ich kann meinen Weg gestalten.“ Das gibt meiner Arbeit für mich einen echten Sinn.

Und gleichzeitig begeistert mich die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Für mich steckt darin eine große Chance: wenn Menschen ihre Potenziale entfalten können und Unternehmen offen sind für neue Perspektiven, entsteht etwas, das beide Seiten voranbringt. Genau diese Verbindung zu stärken und mitzugestalten, treibt mich sehr an, weil ich überzeugt bin, dass daraus echte Entwicklung entsteht.

 

Frau und Beruf: Sie waren vorher viele Jahre bei der Bundeswehr, auch in leitender Funktion. Auch wenn dort der Frauenanteil steigt, ist dies noch eine klassische so genannte Männerdomäne. Was denken Sie, welche Erfahrungen aus dieser Zeit können für die Arbeit in der Kontaktstelle und mit den Frauen hilfreich sein?

Johanna Jüngling: Das stimmt, die Bundeswehr ist in vielen Bereichen nach wie vor ein eher männergeprägtes Umfeld – wie andere Branchen auch. Für mich war das jedoch nie ein Nachteil oder eine besondere Herausforderung, sondern ein sehr gutes und prägendes Umfeld, in dem ich mich über viele Jahre hinweg fachlich und persönlich weiterentwickeln konnte.

Die klare Struktur, die Verantwortung und die Zusammenarbeit in sehr unterschiedlichen Teams, vor allem aber die Kameradschaft und das gemeinsame Verständnis, dass Auftragserfüllung bedeutet, an einem Strang zu ziehen, haben meinen Blick auf Zusammenarbeit und mein Führungsverständnis nachhaltig geprägt.

Für mich stand dabei immer im Vordergrund, wie ich als Führungskraft wirke – also wie ich Menschen mitnehme, wie ich zuhöre und wie ich Verantwortung übernehme. 

Daraus habe ich vor allem die Fähigkeit mitgenommen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und auch in herausfordernden Kontexten Räume für Entwicklung zu schaffen. 

Diese Herangehensweise verbinde ich heute mit meinem fachlichen Hintergrund in Bildungswissenschaften und Wirtschaftspsychologie sowie meiner Arbeit als systemischer Coach. Das prägt meinen Blick: Ich denke weniger in einzelnen Problemen als in Zusammenhängen – also darin, wie Menschen, Strukturen und Rahmenbedingungen zusammenwirken.

Gerade wirtschaftspsychologische Themen zeigen, wie eng Arbeitskultur, Führung und Chancen miteinander verknüpft sind. Wenn wir diese Zusammenhänge sichtbar machen und bewusst gestalten, fördern wir Gleichstellung ganz konkret – so, dass sowohl Frauen als auch Unternehmen davon profitieren.

 

Frau und Beruf: Die Kontaktstelle feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen. Können Sie schon ein bisschen etwas verraten, ob sich die Kundinnen und Interessierte auf ein paar Highlights freuen dürfen? 

Johanna Jüngling: Ich habe die Leitung erst vor wenigen Wochen übernommen – und genau das macht die aktuelle Phase so spannend, weil wir vieles neu denken und gestalten können.

Zum Jubiläum möchten wir nicht nur zurückblicken, sondern vor allem Begegnungen schaffen. Geplant sind Formate, in denen Frauen ganz konkret Einblicke in ihre Wege geben – mit all den Entscheidungen, Umwegen und Erfahrungen, die sie geprägt haben. Uns ist wichtig, dass daraus echte Inspiration entsteht und Frauen sich darin wiederfinden können.

Gleichzeitig möchten wir Räume schaffen, in denen Austausch wirklich möglich ist – nicht nur zuhören, sondern ins Gespräch kommen, Fragen stellen, sich vernetzen und vielleicht sogar erste gemeinsame Ideen entwickeln.

Ein besonderer Höhepunkt wird unser Jubiläumsabend sein: ein Abend, an dem wir die Geschichten hinter den letzten zehn Jahren sichtbar machen, gemeinsam zurückschauen, Erfolge feiern und vor allem spüren, wie viel noch möglich ist, wenn wir den Weg gemeinsam weitergehen.

 

Frau und Beruf: Welche Ziele wollen Sie für die Kontaktstelle verfolgen?

Johanna Jüngling: Ich möchte die Kontaktstelle so weiterentwickeln, dass sie für Frauen noch einfacher erreichbar und greifbarer wird – unabhängig davon, an welchem Punkt sie gerade stehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich, stärker in den Austausch mit Unternehmen zu gehen. Ich bin überzeugt, dass viele Themen, die Frauen beschäftigen, auch für Organisationen hoch relevant sind – etwa wenn es um Motivation, Entwicklung oder moderne Arbeitskultur geht.

Mein Ziel ist es, genau diese Verbindung klarer herauszuarbeiten und sichtbar zu machen, sodass aus einzelnen Angeboten echte Zusammenarbeit entstehen kann.

Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft aufhören, bestimmte Lebensläufe als „richtig“ oder „typisch“ zu bewerten. Vielfalt ist keine Ausnahme, sie ist Realität. Und sie ist eine große Chance, wenn wir lernen, sie wirklich anzuerkennen.

Johanna Jüngling, Leiterin Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald

Frau und Beruf: Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Johanna Jüngling: Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen, auch dann, wenn er nicht perfekt ist oder nicht den klassischen Erwartungen entspricht. Oft sind es genau diese Wege, die am meisten bewegen.

Ein zentraler Punkt ist für mich dabei das Thema Selbstwirksamkeit: also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Dinge gestalten und verändern zu können. Genau dieses Gefühl möchte ich stärken – denn wenn Frauen erleben, dass sie Einfluss auf ihren Weg haben, entsteht eine ganz andere Dynamik.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir als Gesellschaft aufhören, bestimmte Lebensläufe als „richtig“ oder „typisch“ zu bewerten. Vielfalt ist keine Ausnahme, sie ist Realität. Und sie ist eine große Chance, wenn wir lernen, sie wirklich anzuerkennen.

Und ganz persönlich wünsche ich mir, dass ich selbst diesen Anspruch auch lebe: offen bleiben, Dinge hinterfragen, Verantwortung übernehmen und Menschen miteinander verbinden.

Denn ich glaube, echte Veränderung entsteht genau dort, wo Menschen sich ihrer eigenen Wirksamkeit bewusst werden – und wo Strukturen bereit sind, sich mitzubewegen.

 

Frau und Beruf: Vielen Dank für diese Einblicke und gutes Gelingen bei all Ihren Vorhaben!

Hier gibt es aktuelle Infos der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald.