So gelingt der Berufseinstieg

Laura Rajtschan startete im März bei der Unternehmensberatung parsionate ins Berufsleben (Foto: parsionate GmbH)

So gelingt der Berufseinstieg: Eigene Ziele kennen, offen und neugierig bleiben

Seit einigen Monaten arbeitet die Stuttgarterin Laura Rajtschan, 26, erfolgreich in ihrem ersten festen Job nach dem Studium. Im Interview mit Frau und Beruf erzählt sie, welche Rolle praktische Erfahrungen während des Studiums für ihren späteren Berufseinstieg gespielt haben, wie die Jobsuche verlief und was sie anderen Berufseinsteigerinnen für die ersten Wochen mit auf den Weg gibt.

 

Frau Rajtschan, Sie sind jetzt seit einem halben Jahr Junior Consultant bei der parsionate, einer Stuttgarter Unternehmensberatung. Wobei genau berät parsionate andere Unternehmen und was sind Ihre Aufgaben als Junior Consultant?

Wir bei parsionate beraten mittlere und große Unternehmen bei der digitalen Transformation und beim strategischen Datenmanagement. Das heißt, wir unterstützen dabei, digitale Systeme und Daten so zu analysieren, strukturieren und einzusetzen, dass Arbeitsabläufe, Kundenbeziehungen und Entscheidungsprozesse im Unternehmen effizienter ablaufen und Risiken minimiert werden.

Nehmen Sie zum Beispiel die Entscheidungsfindung im Unternehmen: Entscheidungen müssen ständig getroffen werden mit teils großer Tragweite, in allen Unternehmensbereichen. Sollen wir Produkt X oder Produkt Y in Frankreich vertreiben? Welcher Zulieferer kommt in Frage? Nehmen wir Produkt Z aus dem Online-Shop, weil so viele Kunden retournieren? Daten sind hierfür das Rückgrat, da sie die Informationen liefern, die die Entscheidungen stützen können. Haben die Daten aber eine geringe Aussagekraft, weil sie vielleicht nicht einheitlich sind oder vielleicht erst gar nicht vorliegen, ist die Entscheidung mit Unsicherheit behaftet oder sogar falsch. Das sorgt nicht nur für geringes Vertrauen in die Entscheidungen intern, sondern kann sich auch kostenseitig auswirken.

Als Junior Consultant unterstütze ich in meinem Team Kunden bei strategischen Fragen der digitalen Transformation. Da geht es um Dinge, wie: welche Ziele verfolgt ein Unternehmen mit Digitalisierung, wie ist überhaupt der Status quo beim Kunden, in welcher Qualität brauchen wir die Daten und welche Rollen oder Verantwortlichkeiten müssen wir festlegen für erfolgreiches Datenmanagement. Im Alltag heißt das dann, dass ich zum Beispiel Workshops mit vorbereite, Präsentationen erstelle oder für Konzepte recherchiere. Ich bin voll eingebunden in die Projekte und koordiniere oder stimme viele Dinge direkt mit den Kundinnen und Kunden selbst ab. Dabei ist kein Tag wie der andere – das finde ich klasse an meinem Job!

 

Welchen schulischen und akademischen Hintergrund haben Sie für diesen Job mitgebracht?

Nach meinem Abitur habe ich an der Hochschule Pforzheim meinen Bachelor in BWL mit Schwerpunkt Marktforschung und Konsumentenpsychologie gemacht und anschließend den Master in Marketing Intelligence draufgesattelt. In diesem Master ging es konkret um IT und Datenanalyse im Marketingkontext mit Einblicken ins Digitale Marketing.

 

Haben Sie während Ihres Studiums praktische Erfahrungen gesammelt? Waren die im Rückblick hilfreich, sich für die spätere Jobsuche zu orientieren?

Ja, im Praxissemester des Bachelor-Studiums war ich beispielsweise bei einem Marktforschungsinstitut in Hamburg, wo ich erste Erfahrungen sammeln konnte, nicht nur inhaltlich, sondern vor allem darüber, wie der Alltag in einem Unternehmen überhaupt abläuft. Das war wirklich super. Außerdem habe ich mir immer wieder ganz verschiedene Werkstudentin-Jobs gesucht und auch meine Bachelor- und Masterarbeit in Unternehmen geschrieben. Das hat mir geholfen, besser einschätzen zu können, welche Themen und Arten von Unternehmen für mich nach meinem Abschluss beruflich in Frage kommen oder welche auch nicht.

Manchmal muss man ja auch erst mal Dinge ausschließen, um sich besser zu orientieren. Auch wenn diese Doppelbelastung aus Studium und Werkstudentin-Job schon herausfordernd ist, so war für mich persönlich diese Kombination absolut hilfreich, um herauszufinden, was ich später beruflich machen will. Ich würde es genauso wieder machen. Und den ein oder anderen Euro dazu zu verdienen, ist als Studentin auch nicht das Schlechteste….

 

Können Sie Studieninhalte heute in Ihrem Job anwenden?

Nicht nur das: Schon in meinen Werkstudentin-Jobs konnte ich ganz viele Inhalte eins zu eins nutzen. Das fand ich besonders toll an meinem Studium: es war von Anfang an absolut praxisbezogen! Heute im Job sind auch einige neue Themen dabei, aber im Großen und Ganzen kann ich auf enorm viel Grundlagen- und Methodenwissen zurückgreifen. Auch die im Studium erlernten Soft Skills helfen mir im beruflichen Alltag sehr.

 

Wie sind Sie auf die Stelle bei parsionate aufmerksam geworden? Hatten Sie vorher schon Kontakt zu dem Unternehmen?

Die Stelle habe ich in meinem beruflichen Netzwerk auf LinkedIn entdeckt. Als ich durch die Beschreibung gescrollt bin, war klar: hier kann ich mich unmöglich NICHT bewerben!

 

Haben Sie viele Bewerbungen für die Jobsuche geschrieben?

Tatsächlich war die Stelle bei parsionate erst meine zweite Bewerbung – und die hat gleich super gepasst! Ich muss dazu sagen, dass ich schon ein paar Monate vor meinem Abschluss intensiv nach Stellen geschaut und Alerts in verschiedenen Job-Portalen aktiviert hatte. Wenn möglich, wollte ich gern frühzeitig wissen, wie es nach dem Abschluss weitergeht. Dass dieser Plan so super aufgegangen ist, macht mich stolz und glücklich! Ich bin quasi fast nahtlos nach dem Masterabschluss im März bei parsionate eingestiegen.

 

Haben Sie besondere Angebote/Hilfsmittel  während der Jobsuche genutzt? Also zum Beispiel Beratungsangebote/ Vorerfahrungen aus Praktika/ Netzwerke/ Jobmessen/ Tools/ Internetrecherchen …?

Wie gesagt, die verschiedenen Jobportale hatte ich aktiviert und mich auch immer wieder im Karriereportal der Hochschule orientiert. Wegen Corona gab es kaum Jobmessen, aber das war in meinem Fall ja dann auch nicht notwendig. Was mir aber zwischendurch einmal sehr geholfen hatte, war eine Messe zur Orientierung über die Masterangebote. Das kann ich nur empfehlen, da es ja doch mittlerweile eine riesige Auswahl an Möglichkeiten gibt.

 

Falls ja, was davon war rückblickend besonders hilfreich?

Für mich persönlich würde ich sagen, waren es die vielen praktischen Erfahrungen während des Studiums und die praxisnahen Studieninhalte selbst. Dadurch wusste ich zum einen schon recht gut, welches Arbeitsumfeld ich mir vorstellen konnte und welches eher nicht. Zum anderen war ich durch das Studium auch breit genug aufgestellt, sodass ich inhaltlich offen an die Stellensuche herangehen konnte.

Für die Stellensuche selbst waren als Tool die verschiedenen Jobportale hilfreich. Und klar, dann braucht es am Ende auch das nötige Quäntchen Glück, zur richtigen Zeit auf die „richtige“ Ausschreibung zu treffen.

 

Wie haben Sie sich auf Vorstellungsgespräche vorbereitet?

Bei parsionate hatte ich insgesamt drei Gespräche, zwei digital und eins vor Ort. Ich habe einfach versucht, mich vorher noch mal ganz bewusst mit meinen eigenen Zielen und Wünschen für den Job auseinanderzusetzen. Außerdem habe ich ein bisschen geübt, meinen bisherigen Werdegang kurz und knackig zusammenzufassen. Und ich habe mir überlegt, was auch ICH von dem Unternehmen wissen möchte in dem Gespräch. Schließlich muss es ja immer für beide Seiten passen. Die Atmosphäre war jeweils sehr offen und ungezwungen – das war auch gut gegen die Aufregung.

 

Wie verlief der Start im Job: gab es Dinge, die eine große Umstellung vom Studienalltag waren?

Da ich den Job ja schon vor dem Ende des Studiums in der Tasche hatte, war der Übergang erst mal fließend und vom Tagesrhythmus musste ich mich gar nicht groß umstellen. Im Gegenteil, ich empfand den Jobstart schon fast als eine gewisse Erleichterung gegenüber den manchmal recht stressigen Zeiten, in denen ich mental und organisatorisch zwischen Studium und Werkstudentin-Job hin und her wechseln musste. Endlich konnte ich mich mal ganz auf eine Sache konzentrieren und wenn im Büro Feierabend war, hatte ich auch wirklich Feierabend, statt wie früher abends noch lernen zu müssen.

 

Früher hieß es ja oft, mit dem Job beginnt „der Ernst des Lebens“. Haben Sie das auch so empfunden?

Da muss ich jetzt ein wenig schmunzeln. Ich glaube der Satz ist wirklich etwas überholt. Zum einen war bei uns der Workload auch im Studium bereits hoch, sodass wir bei aller studentischer Freiheit auch schon ernsthaft im Leben standen. Zum anderen fühlte ich mich gerade durch meine vielen praktischen Stationen sehr gut gewappnet für die Arbeitswelt. Emotional war aber durchaus der Moment, als ich die Masterarbeit abgegeben hatte. Da wurde mir dann schon noch mal richtig bewusst, dass jetzt ein besonderer Lebensabschnitt zu Ende geht. Aber das waren dann eher Gefühle von Stolz und Vorfreude.

 

Wie verlief die Einarbeitung in Ihrem Unternehmen?

Die war super strukturiert und sehr ausführlich. Ich habe in ganz unterschiedlichen Formaten, zum Beispiel Basisschulungen oder fachspezifischen Einführungen nach und nach alle Bereiche und Prozesse kennengelernt. Dadurch konnte ich auch schnell in die offene und wertschätzende Unternehmenskultur eintauchen. Alle Kolleginnen und Kollegen waren jederzeit bei Fragen für mich da. Das hat den Einstieg sehr erleichtert.

 

Welchen Rat können Sie anderen Berufseinsteigerinnen für die ersten Wochen und Monate im ersten Job geben?

Vor allem: Freut euch auf das Neue, das vor euch liegt! Nutzt die Anfangszeit, um viele Kontakte zu knüpfen, die Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und alles aufzusaugen. Bleibt entspannt, auch wenn es zu Beginn viele Eindrücke sind und manches groß und neu erscheinen mag. Gerade die Probezeit ist ja auch für einen selbst da, um zu schauen, ob man in das neue Arbeitsumfeld reinpasst. Also geht mit Neugier und Spaß ran an die ersten Wochen und Monate.  

 

Sie arbeiten in einem so genannten MINT-Bereich, in denen Frauen häufig noch unterrepräsentiert sind. Ist das in Ihrem Unternehmen auch ein Thema?

Bei uns sind schon recht viele Frauen in allen Bereichen vertreten, im Consulting ist das Zahlenverhältnis sogar ziemlich ausgeglichen, würde ich sagen. Bei parsionate sind die Führungskräfte sehr darauf bedacht, Frauen für die Jobs bei uns zu begeistern und das spürt man auch im Alltag. Meine Teamleiterin ist ebenfalls eine Frau und sie inspiriert mich total! Ich kann für mich daher glücklicherweise sagen, dass es sich ganz normal anfühlt, als Frau in einem IT-nahen Bereich zu arbeiten. Deshalb kann ich anderen Frauen nur Mut machen, auch in der MINT-Welt ihren Platz anzustreben – je mehr es werden, umso normaler wird es.


Haben Sie neben dem Job noch Zeit und Energie für Hobbies? Wenn ja, wobei tanken Sie wieder auf?

Seit die Doppelbelastung von Studium und Werkstudentin-Job weg ist, bleibt tatsächlich wieder mehr Luft für Freizeitaktivitäten. Auch, weil in meinem Unternehmen die Work-Life-Balance bewusst großgeschrieben wird. Energie tanke ich vor allem bei meinen zwei Pferden, beim Radfahren oder beim Yoga.

Vielen Dank, Frau Rajtschan!

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