Frau lernt nie aus: Weiterbildung im Beruf

Arbeitsmarkt und Gesellschaft befinden sich im rasanten Wandel. Die Digitalisierung führt zu Umbrüchen in fast allen Branchen. Zum Teil entstehen neue Berufsfelder, manche wandeln sich und wiederum andere verschwinden ganz. Hinzu kommt in vielen Unternehmen der große Bedarf an Fachkräften. In diesen Veränderungen liegen nicht nur Herausforderungen für Unternehmen, sondern auch für die Beschäftigten, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Aber Veränderungen bergen auch Chancen. Mit regelmäßigen Weiterbildungen können sich Frauen für die wandelnden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt rüsten, neue berufliche Perspektiven oder einen Quereinstieg erschließen oder sich auf den Wiedereinstieg nach einer Erwerbspause vorbereiten.

Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Schriftstellerin

Vorteile einer Weiterbildung

  • Qualifikationsprofil verbessern
  • Wiedereinstieg erleichtern
  • Sichere Jobperspektive
  • Bessere Aufstiegschancen
  • Spannendere Aufgaben
  • Mehr Gehalt

Formen der Weiterbildung

Viele Wege führen nach Rom. So auch bei Weiterbildungen, Fortbildungen oder Umschulungen. Manchmal bieten Unternehmen hauseigene Lehrgänge an, manchmal sind externe Anbieter die richtige Wahl. Die Digitalisierung hat darüber hinaus ganz neue Möglichkeiten für zeit- und ortsunabhänige Fortbildungen geschaffen. Welcher Weg der richtige ist, hängt von der persönlichen Situation, den beruflichen Zielen, dem Arbeitgeber und der finanziellen Situation ab.

TIPP

Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, wie er Ihre Wünsche nach Weiterbildung unterstützen kann. Unternehmen schätzen motivierte Mitarbeitende sehr.

Finanzierung

Sobald feststeht, welche Art von Fortbildung in Frage kommt, bleibt zu klären, wie die Weiterbildung finanziert wird. Auch ohne größere Ersparnisse ist eine Fortbildung möglich.

 

Arbeitgeber finanziert

Bei Lehrgängen, die das Unternehmen selbst anbietet, trägt es auch meist die Kosten. Wer sich unabhängig von der eigenen Firma in einem Bereich weiterbilden will, der einen direkten Nutzen für die aktuelle berufliche Tätigkeit hat, sollte das Gespräch mit der Führungskraft oder Personalabteilung suchen. Arbeitgeber schätzen motivierte Mitarbeitende und profitieren selbstverständlich von der beruflichen Weiterbildung. Deshalb sind sie oft bereit, sich an den Kosten einer Fortbildung zu beteiligen.

 

Staatliche Förderung

Es gibt auch eine Reihe von staatlichen Fördermöglichkeiten. Inwieweit jemand davon profitieren kann, hängt von verschiedenen Kriterien wie Sinn und Zweck der Fortbildung, persönlicher Lebenssituation, Berufstätigkeit oder Einkommen ab. Eine persönliche Beratung lohnt sich in jedem Fall, da die Fördermöglichkeiten sehr vielfältig sind.

Hier eine kleine Auswahl:

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Manchmal ist gar nicht das fehlende Geld die größte Hürde für eine Weiterbildung, sondern die fehlende Zeit. Vor allem Eltern kennen das: nachdem alle Schulferien und Kitaschließzeiten mit Urlaub abgedeckt sind, bleiben kaum noch Tage übrig, die sie für eine mögliche Fortbildung einsetzen könnten. Damit wichtige berufliche Weiterbildungen dennoch nicht auf der Strecke bleiben müssen, hat der Gesetzgeber Abhilfe geschaffen. Nach dem Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg (BzG BW) dürfen sich Beschäftigte in Baden-Württemberg von ihrem Arbeitgeber an bis zu fünf Tagen pro Jahr zur Weiterbildung freistellen lassen. Das Gehalt muss in dieser Zeit weiter bezahlt werden.

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Bildungsgutscheine werden von der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern ausgegeben. Damit werden Umschulungen und Weiterbildungen für Menschen gefördert, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder bereits arbeitslos sind. Beispielsweise, weil der Arbeitgeber Insolvenz angemeldet hat oder der eigene Beruf ausstirbt.

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Das Aufstiegs-BAFöG ist für Frauen interessant, die sich an einer Fachschule zu Meisterinnen in Industrie- und Handwerksberufen, Technikerinnen, Fachkauffrauen, staatlich geprüften Erzieherinnen oder Betriebswirtinnen fortbilden wollen. Insgesamt sind über 700 Qualifikationen anerkannt, die gleichwertig zu einem Hochschulabschluss sind. Die Förderung ist altersunabhängig und teilweise auch nicht abhängig vom Einkommen. Bis zu 50 Prozent der Lehrgangskosten können durch das Aufstiegsbafög übernommen werden. Für die andere Hälfte der Kosten erhalten Förderungsberechtigte günstige Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Denn wer die Fortbildung erfolgreich abschließt, muss nur die Hälfte des Kredits zurückzahlen.

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Wer die Berufsausbildung besonders gut abgeschlossen hat und sich weiterqualifizieren will, kann sich auch für das Weiterbildungsstipendium bewerben. Gefördert werden entweder berufsspezifische Weiterbildungen, zum Beispiel ein Schweißlehrgang im Handwerk oder eine pflegerische Fortbildung im Wundmanagement. Aber auch fachübergreifende Lehrgänge wie Software- und Sprachkurse oder Weiterbildungen im Qualitätsmanagement sind förderfähig. Bei zehn Prozent Eigenanteil je Fördermaßnahme sind insgesamt Zuschüsse von bis zu 8.100 Euro möglich.

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Diese finanzielle Förderung richtet sich an überdurchschnittlich engagierte Fachkräfte mit Berufsausbildung und Praxiserfahrung, die sich mit einem Hochschulstudium weiterqualifizieren wollen.

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) vergibt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich rund 1.000 neue Aufstiegsstipendien. Wer die Bewerbungsvoraussetzungen erfüllt, profitiert nicht nur von der finanziellen Unterstützung während des Studiums, sondern auch von einem Netzwerk und einem umfangreichen Seminarprogramm.

Tipp

Eine persönliche Beratung bei Ihrer Kontaktstelle frau und beruf lohnt sich auf jeden Fall, da die Fördermöglichkeiten sehr vielfältig sind.

Weitere Fördermöglichkeiten

Neben diesen fünf Hauptsäulen der Förderung für berufliche Weiterbildung gibt es im Land noch zahlreiche weitere Programme, die Menschen unterstützen sollen, sich beruflich fortzubilden. Auch Aufenthalte im Ausland, um Berufserfahrung zu sammeln und Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, werden unter bestimmten Voraussetzungen gefördert.

Eine ausführliche Liste der Förderprogramme finden Sie auf dem offiziellen Portal für berufliche Weiterbildung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Dort können Sie auch konkret nach Weiterbildungen suchen.