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Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Die Kontaktstellen fördern die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Eine junge Frau Anfang 20 mit mittellangen gewellten braunen Haaren schaut lachend in die Kamera.

Fünf Jahre dabei: Jedes Mentoring ist anders!

Ute Wichmann

Ute Wichmann betreut zurzeit ihre fünfte Mentee. „Das ist mein wichtigstes Ehrenamt, ich brenne dafür!“, sagt die erfahrene Managerin. „Jedes Mentoring ist anders verlaufen.
Meine erste Mentee kam aus Madagaskar. Sie und ich haben vor allem ihre Bewerbung bearbeitet und ihren Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Meine zweite Mentee hatte in Rumänien einen Bachelor in Lebensmitteltechnologie, sowie drei internationale Master erworben. Sie arbeitete dann zwei Jahrzehnte lang in derselben Firma, bevor sie eine zweijährige Auszeit nahm, um ihre Mutter zu pflegen. Danach wollte sie sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren.

Meine dritte Mentee, eine Ingenieurin aus Kamerun, fand sich nicht so recht in der Firma zurecht, in der sie gearbeitet hat. Sie beschäftigten Fragen wie: Was ist ein Feedback Gespräch und wie nutze ich es für mich? Wie läuft eine Probezeit ab? Wie gehe ich mit Kritik um?“

Eine Soziologin aus Polen war Ute Wichmanns vierte Mentee. Deren Thema: die berufliche Neuausrichtung. Am Ende orientierte sie sich tatsächlich völlig neu und bewarb sich auf eine Ausbildung zur Erzieherin. In diesem Bereich hat sie inzwischen auch eine Stelle gefunden.

„Meine aktuelle Mentee kommt aus Litauen. Bei ihr geht es viel um die Stärkung ihres Selbstbewusstseins. Sie hat eine Stelle als Grafikerin, aber sie will noch mehr und hat sich deshalb gerade entschieden, sich berufsbegleitend weiterzubilden und eventuell auch ein Fernstudium aufzunehmen“.

Ute Wichmann ist seit 15 Jahren in einem international agierenden Unternehmen der Lebensmittel-Branche tätig, in der Abteilung Geschäftsprozessmanagement. Jüngere Frauen beruflich zu unterstützen, ist der Betriebswirtin schon lange ein Anliegen, und so war sie vor fünf Jahren sofort begeistert, als sie vom Mentorinnen-Programm erfuhr.

Ich nehme selber viel mit
„Aus dem Austausch untereinander nehme ich immer auch etwas für mich mit, denn mit jeder Mentee muss ich mich in eine neue Situation einfinden. Ich selber wachse dabei auch, baue weiteres Wissen auf und lerne viel, insbesondere durch den kulturellen Austausch.
Da ich mich immer wieder auf ganz neue Frauen und ihre berufliche Lage einstellen muss, öffne ich mich ebenfalls ein Stück und das tut mir selber auch gut. Und: Das Vertrauen der Mentees ist ein besonderes Geschenk für mich. Ich bin jedes Mal berührt darüber, was sie mir alles anvertrauen. Und ich bin begeistert, wie viel Klarheit sie während des Mentorings gewinnen. Ich erfreue mich auch am interkulturellen Austausch. Wie wird eine Ingenieurin in Kamerun ausgebildet? Über solche Fragen lerne ich viel. Meine polnische Mentee beispielsweise hatte keine Berufserfahrung als Soziologin, das Studium lag lange zurück, da helfe ich gerne! Überhaupt helfe ich gerne.“

Die Zusammenarbeit
Das Projekt startete für Ute Wichmann mit einem Kompetenztraining, das sie gemeinsam mit allen Mentorinnen des Programms absolvierte. „Das Training war ganz wichtig“, erzählt sie, „denn dort habe ich zum Beispiel den Unterschied zwischen Mentoring und Coaching gelernt. Ich selber hatte schon mal an einem Coaching für Frauen in Führungspositionen teilgenommen und erfuhr nun, dass das Wesen des Mentorings Beratung und Begleitung ist. Das bedeutet: die Mentee gibt Themen und Fragestellungen vor, die wir dann gemeinsam bearbeiten. Man kann sagen: Sie führt, ich folge begleitend.“

Das erste Treffen zwischen Ute Wichmann und ihrer ersten Mentee fand ganz zwanglos in einem Café statt. Danach verabredeten sich die Beiden aber nur noch in einem Raum des Welcome Centers Heilbronn. „Ein ungestörter Ort ist ganz wichtig“, erklärt Ute Wichmann, „denn beim Mentoring kommt ja Persönliches zur Sprache. Und: Wir haben immer wieder mit Wandfolie gearbeitet, die wir aufgespannt und dann mit thematischen Inhalten gestaltet haben. So erstellten wir beispielweise einen Zeitstrahl, ein Persönlichkeitsprofil, eine Stärken-Schwächen-Analyse und Ähnliches – das gehört nicht an einen öffentlichen Ort!“

Die Tandems treffen sich nach Bedarf. Zwischendurch bleiben sie telefonisch, per Skype, WhatsApp oder Email in Kontakt.
„Während der Corona Zeit haben wir alles online gemacht. Zwei Tage vor dem nächsten Termin frage ich meine Mentee immer, über welches Thema sie sprechen möchte. Wir greifen dann das auf, was für sie gerade aktuell ist.“

Das Netzwerk dahinter
„Wir Mentorinnen wollen begleiten und Lösungen anbieten. Viele von uns sind gestandene Frauen. Oft sind es einfache Mechanismen und Fragestellungen, die bei unseren Mentees zu Richtungsänderungen führen.
Die Kontaktstelle Heilbronn-Franken macht das Matching, das heißt, sie ordnet einer Mentorin die passende Mentee zu. Die Leiterin dort hat ein Händchen dafür. Ich kann nur sagen: Manche Tandems passen und andere Tandems passen noch besser! Es war nie so, dass es gar nicht funktioniert!“

Überhaupt fühlt sich die 59-Jährige von der Kontaktstelle Heilbronn-Franken super unterstützt. Die gibt immer wieder Seminare für die Mentorinnen. Dann geht es beispielsweise um Themen wie Resilienz, berufliche Veränderungen begleiten, Selbstmarketing oder Probleme im Tandem. Aber auch darum, wie die Mentorinnen ein Online-Mentoring aufbauen können.

„Auch die Service- und Koordinierungsstelle des Landesprogramms Kontaktstellen Frau und Beruf arbeitet uns Mentorinnen wunderbar zu“, betont Ute Wichmann. „Sie gibt viele Schulungen und hat das Angebot in den vergangenen Jahren stark erweitert. Ich habe Workshops besucht wie: Was tun, wenn es zu Spannungen kommt im Mentorinnen-Mentee-Verhältnis? Wir haben auch über Selbstmarketing gesprochen: Wie verkaufe ich mich mit Migrationshintergrund selbstbewusst?
Zu solchen Weiterbildungen kommen dann auch Mentorinnen aus Heilbronn-Franken, die uns aus ihrer Praxis berichten. Das hat schon eine Art Supervisionscharakter und ist wirklich sehr hilfreich! Für mich sind all diese Angebote sehr wichtig.

In diesem Jahr haben wir von der Kontaktstelle Heilbronn-Franken aus elf Tandems. Der Bedarf steigt. Ich sage jedenfalls allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön! Die Kontaktstelle, die Service- und Koordinierungsstelle, die Mentorinnen untereinander – alle unterstützen sich gegenseitig. Das ist so wertvoll!“

Zertifizierungssiegel DGM
Zertifizierungssiegel DGM

Seit 2018 ist das Mentorinnen-Programm durch die Deutsche Gesellschaft für Mentoring (DGM) erfolgreich zertifiziert.

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