Hata Orascanin und Peggy Aulmann

Berufliche Perspektiven in einem Land finden, in dem man nicht geboren ist

Das Mentorinnen-Programm für Frauen mit Migrationshintergrund war auch im Jahr 2025 nicht nur eine Bereicherung für die Teilnehmerinnen, auch die Mitarbeiterinnen der Kontaktstelle nehmen zum Ende jedes Programms etwas Wertvolles daraus mit. 

Unter den Frauen herrschte eine warme, vertrauensvolle Atmosphäre, die Stress reduzierte, Mut machte, Karrierechancen stärkte und das Selbstbewusstsein wachsen ließ. Alle fühlten sich willkommen, unterstützt und inspiriert.

Katja Enke

„Diese Rückmeldung ist für uns alle sehr motivierend und so freuen wir uns jedes Jahr darauf, neue Mentees und Mentorinnen kennenzulernen und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten“, erklärt Katja Enke, Programmkoordinatorin und Beraterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben. Zu den Mentees in diesem Jahr zählte auch Hata Orascanin, die als Bosnierin in Slowenien lebte und dort nach der Corona-Zeit keine berufliche Perspektive mehr fand.

Hata folgte mit ihren zwei Töchtern ihrem Mann 2021 nach Deutschland, der hier bereits eine Arbeitsstelle gefunden hatte. Ihr war klar, dass sie als studierte Juristin kaum Chancen hatte, in diesem Beruf in Deutschland arbeiten zu können. Da Hata eine Frau der Tat ist und auf keinen Fall von staatlichen Hilfen abhängig sein wollte, fand sie schnell Arbeit als Haushaltshilfe – eine Stelle in Teilzeit, die andere als Minijob. Neben den zwei Jobs managte sie ihre Familie und lernte in Eigeninitiative Deutsch. Die B1-Prüfung bestand Hata ohne Deutschkurs mit der Note 2. Hatas großer Wunsch war, sehr gut Deutsch sprechen zu können. Allerdings konnte sie sich keinen Deutschkurs leisten, da sie selbst für die Kosten aufkommen musste. Zudem musste Hata für jede sprachliche Unterstützung bei Behördengängen oder Arztbesuchen bezahlen. Ihre Überraschung war groß, als sie von kostenlosen Unterstützungsangeboten der Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben erfuhr. Nach einem persönlichen Termin mit der Programmkoordinatorin Katja Enke stand fest, dass Hata am Mentorinnen-Programm für Frauen mit Migrationshintergrund 2025 teilnehmen würde. Bei der Auftaktveranstaltung im März lernte Hata ihre Mentorin Peggy Aulmann kennen.

Herausforderungen gemeinsam gemeistert
Für Peggy Aulmann, die seit vielen Jahren als Personal-Consultant, Job-Coach und Karriereberaterin selbstständig ist, war es die erste Teilnahme als Mentorin an dem Programm.

Hata hat mich sehr beeindruckt. Sie geht mit so viel positiver Energie und Kraft durchs Leben und findet sogar noch Zeit für ihr Hobby, die Imkerei. Gleich beim ersten Treffen konnte ich einen bezahlbaren Deutschkurs bei der VHS für sie finden. Sie lernt sehr zielstrebig und ich habe keinen Zweifel daran, dass sie die B2-Prüfung in Kürze schaffen wird.

Peggy Aulmann

Für Hata war dieser Kurs das erste Highlight in der Zusammenarbeit mit ihrer Mentorin: „Dass wir diesen Kurs gefunden haben, vor allem, weil ich morgens und nachmittags gearbeitet habe, war für mich von großer Bedeutung“, erklärt sie. Hata wusste, dass sie eine Ausbildung beginnen oder sich selbstständig machen wollte. Peggy unterstützte Hata dabei, ihr Vorhaben zu strukturieren und einen detaillierten Plan zu entwickeln. Welche Ausbildung kommt in Frage? Welche Stärken und Interessen liegen vor? Als erstes Projekt gingen sie die Anerkennung des Abiturzeugnisses von Hata an, um dessen Anrechnung bei einer Ausbildung zu gewährleisten. Als Herausforderung für das Tandem erwies sich im August die Kündigung von Hata bei ihrem Arbeitgeber. „Ich war beeindruckt, wie beherzt und mutig Hata ihre Konsequenzen zog. Natürlich stand ich ihr jetzt bei ihrem beruflichen Neustart zur Seite“, so Peggy. Für Hata war es der wichtigste Moment im Laufe des Mentorinnen-Programms.

Für die Unterstützung und Führung nach meiner Kündigung werde ich Peggy immer dankbar sein. 

Sie hat mir bei den Bewerbungsgesprächen für eine Arbeitsstelle und für eine Ausbildungsstelle sehr geholfen.

Hata Orascanin

Schon bald hatte sie eine Stelle als Reinigungskraft in Teilzeit bei einem Dienstleister in Aussicht. Doch bei der Prüfung des Arbeitsvertrages stellte sich heraus, dass keine Nebentätigkeit erlaubt war. Da Hata aber ein Kleingewerbe im Bereich Alltagsnahe Hilfen ausüben wollte, kam das nicht in Frage. Heute ist Hata die gute Seele des Hauses eines neuen Arbeitgebers, der sie voll und ganz in ihrem beruflichen Streben unterstützt. Eine Ausbildung zur Arbeitserzieherin hat Hata für nächstes Jahr auf dem Plan, wenn sie das B2-Zertifikat in der Tasche hat.

Ein wunderbares Programm
Für Mentorin und Mentee war das Programm gleichermaßen eine große Bereicherung. Peggy resümiert: „Hata ist mir mit einer ehrlichen Offenheit und Herzlichkeit begegnet, die ihresgleichen sucht. Ich habe so viel in dem halben Jahr gelernt – über ihr Leben und die bosnische Kultur.“ Hata empfindet ihre Teilnahme als riesengroßes Glück. „Es bleibt mir nur noch, mich für diese Möglichkeit zu bedanken – dass ich als Ausländerin an einem solchen Projekt teilnehmen durfte und wunderbare Menschen kennenlernen konnte, an die ich mich für immer erinnern werde“, erklärt sie abschließend. Ganz zu Ende ist die gemeinsame Reise von Hata und Peggy an dieser Stelle trotzdem nicht. Beide bleiben auch weiterhin miteinander verbunden. 
 

Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben im Dezember 2025

Informationen zur Kontaktstelle Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben

Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben

Bildquelle: Hata Orascanin

Mentorin oder Mentee werden

zurück zu allen Erfolgsgeschichten