Jana Metzger und Diana Carle

„Jobsuche ist ein bisschen wie eine Beziehung“

Jana Metzger ist zufrieden. „Ich habe jetzt einen Job, der mir Spaß macht, aber ich bin auch für die Kinder da. Das ist cool.“ Dabei war der Weg dorthin zunächst überhaupt nicht „cool“. Die Mediengestalterin in Bild und Ton hatte bei ihrem Arbeitgeber mit einem Praktikum begonnen, dann die Ausbildung absolviert und anschließend über zehn Jahre in der Produktionsfirma als Cutterin gearbeitet. Dann wurde sie wegen Auftragsmangel gekündigt. „Ich habe wegen der Kinder dort nur acht Wochenstunden gearbeitet. Deshalb war mir klar, dass ich als Erste gehen muss“, erinnert sich Metzger. Noch nie hatte sie mit Arbeitslosigkeit oder Jobsuche zu tun gehabt. „Für mich war das völliges Neuland.“

Sie findet zunächst eine neue Stelle in einer Steuerkanzlei als Social Media Managerin. Doch sie bekommt keine Rückmeldungen in dieser Firma, stattdessen eine Kündigung während der Probezeit. „Das war ein Schlag. Das hat mich ziemlich reingerissen und ist mir auf die Psyche geschlagen“, sagt Jana Metzger. 

Dann empfahl ihr eine Freundin die Kontaktstelle Frau und Beruf und den Verein BeFF (Berufliche Förderung von Frauen e.V.). „Jana Metzger war zuerst bei uns in der kostenlosen Orientierungsberatung“, erzählt Diana Carle, Beraterin der Kontaktstelle Frau und Beruf in Stuttgart. Sie bietet mit ihren Kontaktstellen-Kolleginnen Beratung für Frauen zu allen beruflichen Themen an. Über den Träger der Kontaktstelle, den Verein BeFF, können sie den Frauen zusätzlich Maßnahmen des Vereins anbieten. So auch das „Jobcoaching“: Eine Maßnahme, die von der Agentur für Arbeit gefördert wird über einen sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). 

Der Beraterin in der Orientierungsberatung war schnell klar, dass das Jobcoaching genau die richtige Maßnahme für Jana Metzger sein könnte. Zum Glück klappte es, dass die Agentur für Arbeit den AVGS ausstellte. 
 

Ich habe gesagt, ich hätte gern dieses Jobcoaching. Das waren genau meine Themen: Wie bewerbe ich mich? Wie verhalte ich mich in Vorstellungsgesprächen? Wie sollte mein Lebenslauf aussehen?

Jana Metzger

„Die bisherige Bewerbungsphase war unglaublich deprimierend und anstrengend und man denkt sich, man ist der „Depp“ und kann nichts. Man gibt sich Mühe, braucht Stunden für eine Bewerbung, überlegt und schreibt. Und wenn überhaupt etwas kommt, ist es eine Absage. Dann zweifelt man schon an sich und seinen Fähigkeiten.“

Das Zusammentreffen mit ihrer Beraterin war ein Lichtblick. „Es hat gleich gut gepasst. Wir waren auf einer Wellenlänge und ich habe mich gleich wohlgefühlt“, sagt Metzger. Auch Diana Carle war von ihrer neuen Klientin angetan.

Sie hat eine unheimliche Dynamik. Das hatte für mich gar nicht zu ihrem Bewerbungsfoto gepasst, was eher Zurückhaltung ausstrahlte. Sie war jedoch offen und voller Energie. Und kam mit dem festen Willen, es anzugehen und voranzukommen. Sehr lebendig!

Diana Carle

Was bietet das Jobcoaching konkret: Es umfasst mehrere Bausteine. Am Anfang steht eine Standortbestimmung. Hier gehe es auch um eine Zieldefinition, erklärt Diana Carle. Im zweiten Schritt erarbeiten Klientin und Beraterin gemeinsam ein Stärkenprofil. „Ein Baustein ist, dass man nicht nur die eigene Perspektive nimmt, sondern auch Freunde, Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen mit ins Boot holt“, erklärt Carle.

„Als ich in die Beratung kam, hatte ich das Gefühl, dass ich nichts kann und nie wieder einen Job finden werde“, erzählt Jana Metzger. „Meine Freunde, ehemalige Arbeitskollegen und Bekannte zu befragen - was sie mir zutrauen und wo sie mich sehen -fand ich sehr spannend. Das hat mir viel gegeben. Ich konnte sehen, was Andere in mir sehen. Dass ich eben nicht nur schlecht bin und nichts kann, sondern dass ich Vieles kann.“

Im nächsten Schritt erstellen Metzger und Carle ein Kompetenzprofil. Das ist eine Tabelle, in der aufgelistet wird, welche Fähigkeiten und Kompetenzen die Klientin in ihrem Arbeitsleben schon eingesetzt hat. Und auch weiterhin einsetzen MÖCHTE. „Manchmal hat man zwar bestimmte Kompetenzen, aber möchte zukünftig in eine andere Richtung gehen. Man verändert und entwickelt sich ja im Laufe der Zeit“, erklärt Diana Carle. Bei Frau Metzger fand sie heraus, dass das Ehrenamt eine weitere Fülle von Kompetenzen bereithielt: „Sie ist bei der freiwilligen Feuerwehr, wo sie viel Engagement und Zeit investiert. Auch diese Kompetenzen können für einen Arbeitgeber interessant sein. Das sind beispielsweise Teamarbeit, Engagement, Verbindlichkeit. Für mich ist es wichtig, dass wir die Person im Gesamtbild sehen, und da gehört die Freizeit dazu.“ 

Darauf aufbauend erarbeiten beide gemeinsam, was die Erfolge und die Erfolgsgeschichten von Jana Metzger sind. „Diese Arbeit hat Frau Metzger verdeutlicht, welche Erfolge sie schon eingefahren hat und damit auch ihr Selbstbewusstsein wieder aufgebaut“, hat Diana Carle beobachtet.

Diese Erfolgsgeschichten kann die Bewerberin zudem im Vorstellungsgespräch gut für einen Einstieg oder eine Kurzvorstellung verwenden.

Diana Carle

Ein weiteres Thema im Coaching ist die Frage nach den persönlichen Werten und welche potenziellen Arbeitgeber dazu passen könnten. Natürlich wird auch der Lebenslauf überarbeitet und ergänzt, so dass die Stärken und die Vielfalt der bewältigten Aufgabenbereiche der Klientin besser zur Geltung gebracht werden. Auch die Vorbereitung und praktische Übung von Vorstellungsgesprächen ist Teil des Programms. „Das fand ich sehr wichtig“, sagt Jana Metzger. „Denn sich selbst zu präsentieren, ist nicht so meine Stärke…“. 

Als wichtigste Form der Unterstützung empfindet Jana Metzger, dass sie im Jobcoaching „als Mensch gesehen wurde.“ Sie fühlte sich verstanden in ihrer individuellen Situation als Mutter, die einen Teilzeitjob braucht, damit sie für ihre beiden sechs und acht Jahre alten Kinder da sein kann. Auch die fortwährende Ermutigung hat ihr gutgetan. „Frau Carle hat immer gesagt: Frau Metzger, Sie finden etwas. Es dauert vielleicht. Aber Sie werden etwas finden, was zu Ihnen passt und was Ihnen Spaß macht.“ Metzger hatte die grundsätzliche Sorge, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen. Das ist nicht passiert. Denn nach dem Coaching erhielt sie gleich zwei Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch. Und mit ihrem favorisierten Arbeitgeber klappte es! Heute ist sie Mediengestalterin beim evangelischen Landesverband für Kitas in Württemberg. „Ich mache dort Filme für deren YouTube-Kanal: Idee ausarbeiten, drehen, schneiden, einstellen, pflegen. Und ich mache die technische Begleitung bei Online- und Hybrid-Veranstaltungen.“
 

Es dauert oftmals zwei oder auch vier Monate nach dem Coaching, bis der Erfolg kommt. Diese Phase ist meist schwer auszuhalten. Aber mit dieser Nachlaufphase haben wir eine hohe Erfolgsquote.

Diana Carle

Jana Metzger jedenfalls wünscht sich, dass es einfacher und „normal“ wird, dass eine Frau dieses Coaching in einer Umbruchsituation in Anspruch nehmen kann. Sie hat das Programm bereits einer ehemaligen Arbeitskollegin weiterempfohlen.

Diana Carle wünscht sich von ihren Klientinnen vor allen Dingen Motivation, Engagement und Zeit. „Es ist wichtig, das Gelernte und den Prozess für sich selbst zu vertiefen und die „Hausaufgaben“ zu machen.“ Dazu brauche es Offenheit, Neugier und Interesse, sich selbst besser kennen zu lernen. „Man setzt sich ja mit der eigenen Geschichte auseinander…“

Beraterin Carle ist es ein Anliegen, dass Frauen reichlich Gebrauch machen von dem kostenfreien Angebot der Orientierungsberatung der Kontaktstellen Frau und Beruf BW.

Und was möchte Jana Metzger anderen Frauen in einer ähnlichen Situation mit auf den Weg geben? 

Nicht aufgeben und immer weiterkämpfen. Jobsuche ist ein bisschen wie eine Beziehung. Wenn man den richtigen Partner findet, dann passt es auch.

Jana Metzger

Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart – Region Stuttgart im Februar 2026

Informationen zur Kontaktstelle Stuttgart – Region Stuttgart

Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart – Region Stuttgart 

Jana Metzger (li.) und Diana Carle (r.); Foto: privat

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