Kerstin W.

Mir ist bewusst geworden, dass Ehrenamt und Care-Arbeit so viel Kompetenzerwerb bedeuten, und dadurch wurde ich selbstsicherer.

Kerstin W.

Vom Ehrenamt zur Teilzeitstelle

Frau Kerstin W. (50 J.) ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. Nach über 15 Jahren Familienzeit, einigen Umzügen, Minijobs und einem Auslandsaufenthalt entschied sie sich mit Unterstützung der Kontaktstelle Frau und Beruf SBH für eine Rückkehr in eine Teilzeittätigkeit. 

Frau W. absolvierte nach dem Abitur ein Studium Magister Artium der Geografie und Nordgermanischen Philologie und machte 2005 ihren Abschluss. Währenddessen durfte sie in zahlreichen Minijobs weitere Kompetenzen erwerben.

Mit der Geburt ihres zweiten Kindes arbeitete sie als Tagesmutter. Diese Tätigkeit führte sie während eines 3-jährigen Auslandsaufenthalts in Finnland weiter. 

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland begann sie einige ehrenamtliche Tätigkeiten in den Bereichen Naturschutz/Umwelt und Religion aufzunehmen. Ab 2015 arbeitete sie schließlich fast fünf Jahre als Küsterin und nebenbei und auch danach war sie als Bürokraft in der Mitgliederverwaltung eines Vereins tätig.

Durch den Jobwechsel ihres Mannes veränderte sich der Wohnort erneut und sie musste auch aufgrund der Care-Arbeit ihre Tätigkeit aufgeben. 

2020 durfte Frau W. zunächst in der neuen Heimat Fuß fassen. Sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch durch ihre vierfache Mutterschaft, die sie gerne unterstützend leben wollte, entschieden sie und ihr Mann, zunächst von einem Gehalt zu leben.

Ihre ganze Berufslaufbahn über und nach diesen Jahren der Care-Arbeit, Schmerzerkrankungen und des Ehrenamtes zweifelte Frau W. an ihren eigenen Kompetenzen.

In einer Reha erfuhr sie von der Kontaktstelle Frau und Beruf, die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Region gab. Ihr Mann war schließlich derjenige, der ihr den Artikel der neugegründeten Kontaktstelle Frau und Beruf in der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg zeigte. Daraufhin meldete sich Frau W. direkt zu der Veranstaltung „Mut zum Wiedereinstieg“ an, bei der hauptsächlich eine Bestärkung und das Sichtbarmachen eigener Kompetenzen im Mittelpunkt standen. Beim Markt der Möglichkeiten lernte sie Frau Sailer, die Beraterin der Kontaktstelle Frau und Beruf kennen. Frau Sailer durfte Frau W. das Beratungsangebot und die Anmeldeoption vorstellen. 

Direkt am Tag nach der Veranstaltung meldete sich Frau W. um einen Beratungstermin zu vereinbaren. Durch das Zusenden ihrer Unterlagen konnte Frau Sailer sich schon einen ersten Eindruck machen.

Als ich Frau W.s Lebenslauf das erste Mal sah, war ich total begeistert von den zahlreichen Lebensstationen und den vielen Kompetenzen, die hinter den Umzügen, der Care-Arbeit für vier Kinder und den ganzen ehrenamtlichen Tätigkeiten standen. Ich dachte mir: Was für eine Powerfrau!

Larissa Sailer

Im Beratungsgespräch wurde schnell deutlich, dass sich Frau W. ihrer eigenen Kompetenzen noch nicht ausreichend bewusst war. Diese konnten gemeinsam mit der Beraterin herausgearbeitet und konkret benannt werden. Neben der Identifizierung ihrer Kompetenzen wurde zudem ein für Frau W. passendes Stellenprofil erarbeitet. Dies half ihr, den für sie verunsichernden Stellenmarkt besser einzugrenzen. Durch ihre vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Bereich Umwelt- und Klimaschutz ließ sich außerdem eine thematische Richtung erkennen, die für Frau W. besonders interessant ist.

Im Rahmen der Beratung wurde Frau W. bewusst, dass sie in einem Bewerbungsgespräch auch selbst mitentscheiden kann, ob ein Arbeitgeber zu ihr und insbesondere zu ihrer aktuellen Lebenssituation passt. Da Frau W. bereits vor dem Beratungsgespräch eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten hatte, konnten bestehende Unsicherheiten hinsichtlich des Gesprächs sowie bezüglich des Anstellungsverhältnisses und der Rahmenbedingungen geklärt werden. Durch die gute Vorbereitung und die gewonnene Klarheit über ihre eigenen Möglichkeiten und Kompetenzen konnte Frau W. deutlich sicherer in das Bewerbungsgespräch gehen.

Nach der Beratung war ich noch bestärkter in meiner Wahrnehmung, dass Frau W. bereits so viele Ressourcen mitbrachte und hoffte von Herzen, dass sie den Job bekommen würde. Über eine E-Mail informierte Frau W. die Kontaktstelle über den erhaltenen Job und ich freute mich wirklich sehr über diesen tollen Erfolg.

Larissa Sailer

Frau W. arbeitet nun als Bürofachkraft in einem Verein, der sich für Naturschutz einsetzt und unterstützt hierbei die Geschäftsleitung und macht ebenfalls die Mitgliederverwaltung. Aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit wurde eine Teilzeitanstellung, die zu ihren Lebensumständen passt.

Bei unserem Gespräch für diesen Bericht erklärte Frau W., wie wichtig es ihr sei zu betonen, dass ihr erst durch die Beratung bewusst geworden sei, wie bestärkend und hilfreich es ist, auch unbezahlte Tätigkeiten wie Care-Arbeit und Ehrenämter, also Stationen des Kompetenzerwerbes, zu sehen. 

Abschließen möchten wir mit einem tollen Tipp von Frau W. enden: „Frauen sollten den Blick mehr darauf werfen, was sie auch außerhalb ihrer Abschlüsse und Berufstätigkeit gelernt haben, und zwar bei der Care-Arbeit oder beispielsweise Ehrenämtern. Sie sollten mutiger sein, sich zu bewerben und nicht von Stellenanzeigen abschrecken lassen. Ich würde jeder Frau, die mit einem beruflichen Thema zu kämpfen hat, raten, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, denn diese kann helfen, den eigenen Blick zu verändern und mutig dem zu begegnen, was längst in einem schlummert.“

Kontaktstelle Frau und Beruf – Schwarzwald-Baar-Heuberg im September 2026

Informationen zur Kontaktstelle Schwarzwald-Baar-Heuberg

Kontaktstelle Frau und Beruf – Schwarzwald-Baar-Heuberg 

Larissa Sailer (li.) und Kerstin W. (r.) ; Foto: privat
 

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