Nataliia Gupal und Regina Reber

„Durch das Programm habe ich einen tollen Job bekommen – und meine Mentorin auch!“

Zwanzig Mentorinnen, zwanzig Mentees. Beim Speeddating der Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart war die Ukrainerin Nataliia Gupal für ihre Mentorin Regina Reber „Top 1“.

Es ist erstaunlich, wie schnell man in fünf Minuten erfassen kann, wo will die Mentee hin, was kann sie, in welcher Branche ist sie unterwegs. Und natürlich spielt auch die Sympathie eine Rolle. Man hat gleich ein Gespür dafür.

Regina Reber

Und auch für Mentee Nataliia Gupal war ihre Mentorin erste Wahl. „Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich gern mit Regina ein Tandem bilden würde. Sie war sehr freundlich, hat im Sozialbereich gearbeitet und sie kann gut mit Zahlen umgehen. Das passte einfach. Ich hatte dort gleich ein gutes Gefühl.“

Die erste Phase der Zusammenarbeit nutzte das Tandem, die beruflichen Möglichkeiten der Mentee auszuloten. „Frau Gupal hat wie ich ein betriebswirtschaftliches Studium,“ erzählt Regina Reber. „Sie hat sich dann aber noch in der Ukraine auf den Weg gemacht, das zu ergänzen durch ein Psychologie-Studium im Bereich Sozial- und Verhaltenswissenschaften. Sie wollte eventuell von der BWL in Richtung Soziales gehen. Das war hier in Deutschland noch einmal ihr Thema: Möchte ich den Überstieg und kann ich mir das zutrauen, oder bleibe ich lieber dort, wo ich sicher im Sattel sitze.“

Keine leichte Entscheidung für Nataliia Gupal, die in der Ukraine mehr als zehn Jahre als Buchhalterin gearbeitet hat. „Es war mein Wunsch, mehr über Psychologie zu wissen. 2022 war nicht der erste Krieg für mich, sondern 2014. Ich habe früher in der Ostukraine gewohnt und musste aufgrund des Krieges 2014 in den Südosten der Ukraine umziehen. Durch diese Erlebnisse war Psychologie ein wichtiges Thema für mich. Ich möchte möglicherweise meine Richtung ändern und eher etwas Soziales tun. Menschen und insbesondere Kinder unterstützen. Das ist wichtig für mich“, erklärt die Mentee. In ihrer Freizeit arbeitet sie ehrenamtlich mit Kindern. Mit ihrem psychologischen Wissen leitet sie Gruppen und ist in der Kunsttherapie aktiv.

Nataliia Gupal ist im Jahr 2022 ohne Familie oder Partner nach Deutschland gekommen und wohnte zunächst bei einer Familie, später bei einer zweiten. „Da war viel Unsicherheit. Manchmal hatte ich niemanden, den ich fragen konnte.“ Zwei Jahre später stieß sie auf die Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart, die sie beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen und Anschreiben unterstützte. Mit dieser Begleitung fand sie schließlich einen Minijob in einer Sprachschule. Das half ihr, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Ich konnte als erwachsene Frau nicht fehlerfrei Deutsch sprechen, und das machte es mir schwer, mit Menschen zu kommunizieren – besonders bei der Arbeit oder bei Vorstellungsgesprächen. Wenn Du in ein Sprachcafé gehst, sind dort viele Menschen, und manchmal ist es unangenehm, etwas offen zu sagen. Mit Regina war die Atmosphäre angenehm und ich konnte ohne Angst sprechen.

Nataliia Gupal

Sie entscheidet sich zunächst einen Job zu suchen, in dem sie ihre Erfahrung als Buchhalterin einbringen kann – jedoch möglichst im sozialen Bereich. „Phase zwei war ganz konkret“, erzählt Mentorin Regina Reber. „Bewerben, bewerben, bewerben! Wir beide haben richtig konzentriert bei unseren vierzehntägigen Treffen gearbeitet. Das war viel verlangt von Nataliia: Jedes Mal wieder neu schauen, wie mache ich diesen Elevator-Pitch (eine kurze, prägnante Selbstpräsentation in wenigen Minuten), was kann ich über das Unternehmen in Erfahrung bringen, wie kann ich mich für das Unternehmen interessant machen.“

Regina Reber weiß, wovon sie redet. Sie ist seit 17 Jahren Führungskraft im Sozialmanagement, hat unzählige Personalauswahlgespräche geführt, verfügt über eine systemische Coachingausbildung. „Die Begleitung von Frau Gupal war ganz anders als im beruflichen Kontext. Wenn ich als Führungskraft in meinem Job etwas tue, ist es immer zielgerichtet. Für jemanden wie mich, die eher so zack, zack unterwegs ist, ist das schwer. Aber in der Funktion der Mentorin ist das Geheimrezept: Zurück zu treten und der Mentee den Raum zu geben. Ich musste ganz tief durchschnaufen und erst einmal schauen: Was braucht diese Frau von mir. Und nicht: Was will ich oder was meine ich, was sie tun sollte.“

Und wie es der Zufall will: Auch sie selbst ist zur Zeit des Mentorings in einer Phase, in der sie sich beruflich noch einmal neu orientieren und den Job wechseln möchte. „Der Vorteil war, ich war supergut in allen Jobbörsen unterwegs, ich war à jour mit Bewerbungen. Ich konnte alles, was ich selbst angewendet habe, weitergeben: Die Vorlage für eine gute Bewerbung, lohnt sich dieses oder jenes Job-Portal, wie macht man eine kurze Vorstellung… Das war super.“

Doch zunächst habe sie ihre Situation nicht thematisiert. „Das spielte ja keine Rolle und kann das Gegenüber vielleicht eher verunsichern.“ Nötig sei jedoch mentale Stärke. „Umbruchphasen machen ja immer etwas mit einem. In meinem Fall ging das trotzdem ganz gut.“

Auch das Thema Bürokratie und die Anerkennung von Abschlüssen wird eine Herausforderung für das Tandem. „Ich bin an die Bürokratie hier gewöhnt“, sagt Regina Reber. „Aber manchmal ist es doch schwer auszuhalten, wie kompliziert die Anerkennungsverfahren sind. Ich habe gesagt, das gibt es doch nicht…Da hat Nataliia meine Hand genommen und gesagt: Regina, das ist so in Deutschland. Sie hatte sich schon besser damit abgefunden als ich.“ Als es um die Anerkennung von Zeugnissen durch das Regierungspräsidium ging, konnte Regina Reber richtig helfen. Nach einem Telefonat und einer Mail an die zuständige Stelle beim Präsidium hatte Nataliia Gupal nach einer Woche die Anerkennung im Briefkasten. Im Regelfall hätte es neun Monate gedauert. Ein Erfolgserlebnis für das Tandem! 

Das Highlight der gemeinsamen Geschichte von Nataliia Gupal und Regina Reber: Beide haben während des Mentorinnen-Programms ihren neuen Job gefunden. 

Wir haben beide zum 15. September unseren neuen Job angefangen. Beide fast zur gleichen Zeit die Zusage und beide das gleiche Startdatum, beide happy mit der Zusage und dem neuen Job, genau das, was wir wollten. Das war großartig!

Regina Reber

Auch Nataliia Gupal ist sehr zufrieden. „Ich hätte meine aktuelle Stelle wahrscheinlich nicht so einfach bekommen, wenn ich meine Unterlagen nicht entsprechend vorbereitet und dabei Reginas Unterstützung gehabt hätte. Bei meiner aktuellen Stelle arbeite ich zwar mehr mit Zahlen, aber eben in einem sozialen Bereich. Ich spreche jeden Tag mit Klienten über Situationen und Probleme, die wir lösen müssen. Ich spreche mehr und mehr und das übt.“

Auch Regina Reber hätte ihre neue Stelle wohl nicht ohne ihr Engagement als Mentorin beim MPM gefunden. Sie recherchierte für Nataliia nach einer Bewerbung und entdeckte dabei zufällig eine passende Stelle für sich selbst – auf die sie sich erfolgreich bewarb. 

Nataliia Gupal und Regina Reber sind von ihrer gemeinsamen Zeit als Tandem begeistert. „Das Wichtigste war, dass ich gemeinsam mit Regina immer mehr verschiedene Stellenangebote angeschaut und meine Bewerbungsunterlagen vorbereitet habe. Sie hat alles überprüft, wertvolle Tipps gegeben und erklärt, was für den deutschen Arbeitsmarkt passt. So konnte ich meine Bewerbungen ohne Bedenken verschicken und selbstständig nach Arbeit suchen. Ich konnte jederzeit um Rat fragen oder etwas prüfen lassen. Gleichzeitig hat mir die Arbeit mit Regina geholfen, beim Deutschsprechen mutiger zu werden“, berichtet Nataliia Gupal.

Ich empfehle das Mentorinnen-Programm jederzeit weiter!

Nataliia Gupal

Regina Reber als Stuttgarterin mit Leib und Seele sagt: „Meine Eltern und Großeltern kommen von hier. Ich fühle mich verantwortlich, Menschen willkommen zu heißen, die hier leben möchten. Ich finde es toll, in Stuttgart zu leben und gebe das gerne weiter.“ Sie kann sich gut vorstellen, sich weiterhin als Mentorin zu engagieren. 

Das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen ist ein landesweites Programm der Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg.  Mit dem Programm fördert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus seit 2017 gezielt Frauen mit Migrationsgeschichte und geflüchtete Frauen beim Einstieg in Arbeit, Ausbildung oder Praktikum. Es haben bislang rund 700 Tandems aus Mentorinnen und Mentees aus mehr als 30 Ländern teilgenommen.

 Interessentinnen aus der Region Stuttgart wenden sich direkt an die Kontaktstelle Stuttgart: n.tokic(at)beff-frauundberuf.de.

Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart – Region Stuttgart im April 2026

Informationen zur Kontaktstelle Stuttgart – Region Stuttgart

Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart – Region Stuttgart 

Nataliia Gupal (li.) und Regina Reber (r.); Foto: privat
 

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