Vom Traum zum Job: Durch Mentorinnen-Programm den Weg gefunden
Die größte Hürde auf dem Weg ins Berufsleben für Frauen mit Migrationshintergrund ist die deutsche Sprache. Erschwerend kommt hinzu, dass in manchen Berufen Fachtermini notwendig sind. Die Mitarbeiterinnen der Kontaktstellen Frau und Beruf wissen, dass zu der sprachlichen weitere kulturelle und bürokratische Herausforderungen in Deutschland hinzukommen. Im Mentorinnen-Programm für Migrantinnen stellen sie den teilnehmenden Mentees jeweils eine erfahrene Mentorin zur Seite, die den Frauen auch dabei hilft, sich im Bürokratie-Dschungel zu orientieren. Denn häufig unterscheiden sich die Bildungssysteme in Deutschland grundlegend von denen, die die Frauen aus ihren Herkunftsländern kennen. Diese Erfahrung haben auch Xhemile Krasniqi als Mentee und ihre Mentorin Heike Herd-Reppner gemacht, die das Mentorinnen-Programm 2025 zusammenbrachte.
Ich möchte Deutsch denken können
Xhemile Krasniqi stammt aus dem Kosovo, hat Chemie auf Lehramt studiert und dort bereits ein Jahr als Chemielehrerin gearbeitet. Nachdem sie vergeblich versuchte, ein festes Arbeitsverhältnis als Lehrerin zu finden, sie jedoch unbedingt in ihrem Traumberuf arbeiten wollte, kam sie nach Deutschland, wo dringend Lehrkräfte benötigt werden. Ihr Ziel stand fest: sie würde alles Notwendige tun, um hier als Lehrerin arbeiten zu können. Ein weiter Weg, wie sich herausstellen sollte. Nachdem Xhemile das Sprachniveau B1 erreicht hatte, arbeitete sie bei einer sozialen Stiftung als Alltagsbegleiterin, um noch besser und schneller Deutsch zu lernen. „Ich will so gut Deutsch können, dass ich in Deutsch denke“, beschreibt Xhemile ihr ehrgeiziges Ziel. Trotzdem sah sie keinen klaren Weg vor sich, der sie näher an ihr eigentliches berufliches Ziel bringen würde. Über ihre Versicherungsberaterin erfuhr sie von der Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben. Nach einem Termin mit der Programmkoordinatorin Katja Enke stand fest, dass Xhemile am Mentorinnen-Programm 2025 teilnehmen würde.
Gemeinsam durch das Bildungs-Labyrinth
Katja Enke hat ein Händchen dafür, die passenden Tandems zusammenzubringen. So erwies sich Heike Herd-Reppner, die selbst ein naturwissenschaftliches Studium absolviert hat und als Selbstständige in der Kommunikationsberatung und im Chance-Coaching arbeitet, als ideales Match für Xhemile. Schnell erkannte Heike, dass es trotz des Lehrermangels in Baden-Württemberg sehr schwierig war, bei den ganzen Regelungen durchzublicken, um die richtigen Vorbereitungskurse und Anerkennungen für Xhemile auswählen zu können. „Es war wirklich schwer herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt und welche die richtigen sind“, erklärt Heike Herd-Reppner.
Da gab es so viele Stellen, an denen man vorsprechen, klären und Unterlagen hochladen musste. Aber, egal was es war oder wie lange es dauerte, Xhemile hat nicht aufgegeben und sich durchgekämpft.
Heike begleitete Xhemile auch zu einem Beratungstermin, um zu erfahren, was für die Anerkennung ihrer Diplome getan werden musste und sich von fachkundiger Seite erklären zu lassen, was es für Direkteinstiegsmöglichkeiten für Quereinsteigerinnen gibt. Jede Möglichkeit wurde geprüft, auch die Kontaktstelle hat dabei stets unterstützt. Am Ende stand fest: Es gibt für Xhemile keinen anderen Weg, um als Lehrerin in Deutschland zu arbeiten, als sich für ein zweites Studienfach einzuschreiben und sich gleichzeitig um die Anerkennung ihres Bachelors und Masters in Chemie zu bemühen, um das Studium ggf. verkürzen zu können. In ihrem Heimatland Kosovo reicht der Studienabschluss eines Faches, um eine Lehrtätigkeit auszuüben. Auch ein Referendariat ist in der Form wie in Deutschland nicht vorgesehen. Sehr geholfen hat Xhemile auch das Programm “Integration und Gleichstellung internationaler Lehrkräfte (IGEL)” dabei, das deutsche Schulsystem zu verstehen. Seit Oktober 2025 studiert sie nun Biologie auf Lehramt an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. „Teilweise ist das sehr schwer für mich, da ich nicht alles verstehe und es viele Fachbegriffe gibt“, berichtet sie. Aufgeben ist für sie allerdings keine Option. Den ersten Teil für das Sprachniveau C1 hat sie schon bestanden. Zusätzlich nimmt sie privaten Deutschunterricht, um den zweiten Teil zu bestehen. Zur Finanzierung ihres Studiums arbeitet sie weiter auf einer 70%-Stelle in der Pflegeassistenz. Man spürt, wie viel es Xhemile bedeutet, als Lehrerin zu arbeiten und Kindern die Naturwissenschaften näherzubringen.
Auf dem Weg zum Traumjob
„Mit der Hilfe von Heike und der Kontaktstelle habe ich eine klare Orientierung über den gesamten Anerkennungsprozess und die Anforderungen des IGEL-Programms bekommen und wurde bei jedem Schritt unterstützt“, erklärt Xhemile dankbar.
Es ist ein gutes Gefühl nicht allein auf dem Weg zu sein und jemanden in der Nähe zu haben, dem man vertraut.
Auch das Fazit von Heike Herd-Reppner nach ihrer ersten Teilnahme als Mentorin fällt positiv aus: „Mir hat es sehr viel Freude gemacht, Xhemile zu begleiten. Auch ihr dabei zu helfen, anzuerkennen, dass sie bereits auf dem Weg ist und nicht erst am Anfang steht.
Und dann diese Weiterentwicklung zu sehen und mit welcher Zielstrebigkeit sie ihr Ziel verfolgt. Das ist schon sehr bemerkenswert.“
Wir haben mit diesen Frauen tolle Fachkräfte und es wäre sehr schade, wenn sie nicht in ihre Kraft kommen, um diese Berufe auszuüben.
Darum stellt sich Heike Herd-Reppner auch im nächsten Jahr als Mentorin zur Verfügung.
Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben im Dezember 2025
Informationen zur Kontaktstelle Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben
Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg – Bodensee-Oberschwaben
Bildquelle: Heike Herd-Reppner
Sie wollen auch Mentorin oder Mentee werden? Hier finden Sie alle Informationen zum Mentorinnen-Programm für Migrantinnen.