Gründung: Selbstbestimmt arbeiten

Frei sein, selbständig planen und umsetzen zu können, sind oft Motive, die hinter dem Wunsch stecken, eine eigene Firma zu gründen. Der Schritt in die Selbstständigkeit muss gut geplant werden, da neben den Freiheiten, die die eigene Firma bringt, auch die finanzielle Sicherheit (besonders im Alter) mitbedacht werden muss.

Der Frauenanteil an allen Selbstständigen lag 2019 bei 31,2 Prozent. Die Zahl der selbstständig tätigen Frauen in Baden-Württemberg ist nach einem deutlichen Anstieg in den ersten beiden Dekaden des aktuellen Jahrhunderts wieder leicht zurückgegangen. Frauen gründen im Vergleich zu Männern auch häufiger in Teilzeit, um die Erwerbstätigkeit mit der Arbeit in der Familie zu verbinden. 

Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt.

Francois Truffaut, französischer Filmregisseur

Wie aus einer Idee ein Plan wird

Am Anfang steht die Idee, eine eigene Firma zu gründen. Doch bis die ersten Gedanken in die tatsächliche Gründung des eigenen Unternehmens münden, sind einige Schritte zu gehen: Die konkreten Ziele der Gründung und der Business Case müssen definiert werden, die einsetzbare Arbeitszeit gilt es zu klären, gerade wenn für die Gründung auch Zeit für die Familienarbeit einzuplanen ist. Die Banken als Kreditgeber müssen zustimmen, ein Standort muss gefunden werden und vieles mehr. Dafür ist es sehr wichtig, einen Businessplan für die eigene Geschäftsidee zu entwickeln. Die Gründerplattform (eine Plattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz und der KfW) stellt dazu einen interaktiven Baukasten zur Verfügung, der in 4 Phasen gegliedert ist und systematisch durch die Gründung führt:

Einsteigen: Das ist die kreative Phase der Gründung. Inspiration durch existierende Firmen und Ratgeber, Kreativitätstechniken, Selbstchecks helfen dabei, die Gründungsidee konkreter zu fassen und den Nutzen der Geschäftsidee für mögliche Kunden und Kundinnen herauszuarbeiten.

Planen: Weiter geht es mit dem Geschäftsmodell. Hier hilft der Blick über den Tellerrand: Was tun andere Firmen? Welche Geschäftsmodelle gibt es? Welche Konkurrenten sind schon auf dem Markt? Digitale Tools zur Entwicklung von Geschäftsmodellen sind hilfreich bei diesem Schritt.

Finanzieren: In dieser Planungsphase wird es betriebswirtschaftlich: Die Banken wollen sehen, ob das Geschäftsmodell funktionieren kann, um zu klären, ob sie Kredite dafür bereit stellen. Sie prüfen im Finanzplan, ob Ausgaben und Einnahmen realistisch angesetzt wurden, ob die Eigenentnahme im Rahmen ist oder auch ob Steuerabgaben in die Berechnung des Erfolges miteinbezogen wurden. Es geht also um Rentabilitäten und Liquidität der Gründung und viele weitere Aspekte, die für ein gesundes Unternehmen wichtig sind.

Gründen: Für die Gründung sind wichtige Dinge zu erledigen: Nach Klärung der Rechtsform der Firma muss die Firma eingetragen und eine Anmeldung bei diversen Behörden und Kammern durchgeführt werden. Über die rechtlichen Aspekte der Gründung sollte sich die Gründerin frühzeitig informieren.

TIPP

Die Kontaktstellen "Frau und Beruf" verfügen über ein ausgezeichnetes Know-how, was die Beratung von Gründerinnen angeht und bieten zahlreiche Workshops zum Thema an.

Checkliste zum Einstieg in die Selbständigkeit

Die Antworten auf die folgenden Fragen sollten sich Frauen, die eine Selbstständigkeit anstreben, sorgfältig erarbeiten, bevor sie die Gründung umsetzen:

  • Passt die Geschäftsidee zu den eigenen Fähigkeiten und Neigungen?
  • Löst die Geschäftsidee ein Problem, das für potentielle Kunden wichtig ist?
  • Kommt die Idee bei der Zielgruppe gut an?
  • Kann der Nutzen konkret benannt werden, den die zukünftige Firma verspricht?
  • Passen die Bausteine des Geschäftsmodells zum Nutzenversprechen?
  • Zeigt der Businessplan, dass die Geschäftsidee wirtschaftlich machbar ist?
  • Ist der Businessplan realistisch und die zugrundeliegenden Annahmen sind gut belegt?
  • Ist der Kapitalbedarf gedeckt?
  • Wurden die Möglichkeiten der Förderung durch zum Beispiel Bund und Länder geprüft?
  • Passt die Rechtsform zum Aufbau der Firma und der Finanzierungsstrategie?
  • Ist der bürokratische Aufwand angemessen und leistbar?
  • Sind die Themen Krankenversicherung und Altersvorsorge für die Gründerin geklärt?
  • Müssen Versicherungen wie zum Beispiel eine Betriebshaftflicht berücksichtigt werden?

Bei der Beantwortung all dieser Fragen helfen die Kontaktstellen "Frau und Beruf" weiter und entwickeln mit den Gründerinnen einen Weg für eine erfolgreiche Unternehmensgründung. Die Kontaktstellen bieten zudem Gründerinnenworkshops an und haben über Jahre Netzwerke von Firmengründerinnen in den Regionen aufgebaut - diese Kontakte können für ihre Gründung ein wichtiges Netzwerk darstellen, profitieren Sie davon!

Gründen in "The Länd"

Eine wahre Fundgrube für Frauen, die in Baden-Württemberg eine Firma gründen wollen, ist die Internetseite Start-up BW Woman, die vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus betrieben wird.

Hier finden interessierte Frauen über 80 Anlaufstellen zur qualifizierten Erst- und Orientierungsberatung, die meist bei öffentlichen Trägern angesiedelt sind. Dazu zählen die Kontaktstellen Frau & Beruf, die Arbeitsagenturen, Gleichstellungsbeauftragte, Kammern, Wirtschaftsfördereinrichtungen, Banken, Behörden, Beratungs- und Bildungseinrichtungen sowie Verbände.

200 Expertinnen und Experten in Baden-Württemberg stehen auf www.startupbw.de für die Fachberatung und das nötige Branchen-Know-how zur Verfügung. Sie sind spezialisiert auf Gründerinnen und Unternehmerinnen. Im ‚Expertenforum’  kann man von ausgewählten Fachleuten Antwort zu Fragen rund um das Thema Gründung erhalten. Die Antworten werden auch im Internet veröffentlicht.

Anfrage per E-Mail: expertenforum@gruenderinnenagentur.de

Veranstaltungen, Workshops und Seminare 

Zu den unterschiedlichen Aspekten der unternehmerischen Selbständigkeit von Frauen werden Seminare, Workshops, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, Messen, Börsen, Fachtagungen, Netzwerktreffen und Kongresse vor allem für Gründerinnen und Unternehmerinnen angeboten. 

Zum Veranstaltungskalender

Netzwerke für Gründerinnen

Pfeil

Start-up BW Women

Die Seite www.startupbw.de bietet für Gründerinnen, Start-ups von Frauen, Betriebsnachfolgerinnen und Unternehmerinnen zahlreiche Informationen und Vernetzungsangebote:

  • Informationen zu Gründung, Festigung, Wachstum und Nachfolge
  • 80 Anlaufstellen zur Erst- und Orientierungsberatung
  • 200 Expertinnen / Experten für die vertiefte Fachberatung / Branchen-Knowhow
  • Weiterbildungen und Veranstaltungen wie Meet-ups, Workshops, Seminare, Messen, Fachtagungen, Online-Kurse
  • 60 Netzwerke zum Fachaustausch auf Augenhöhe