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Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Die Kontaktstellen fördern die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg.

Eine junge Frau Anfang 20 mit mittellangen gewellten braunen Haaren schaut lachend in die Kamera.

Ich möchte eine Arbeit haben, die hier gebraucht wird!

Das Tandempaar Tabea Wosnitza (Mentorin) und Lizett Samaniego (Mentee)
Das Tandempaar Tabea Wosnitza (Mentorin) und Lizett Samaniego (Mentee)

Als Lizett Samaniego sich zum ersten Mal bei der Kontaktstelle meldete, war das zugleich ihr erster Anruf auf Deutsch. „Ich war sehr, sehr aufgeregt“, erzählt die 38-Jährige. „Aber es hat geklappt, die Beraterin in der Kontaktstelle hat mir freundlich weitergeholfen.“

Nach Deutschland war Lizett Samaniego im November 2018 gekommen. In Peru hatte sie Psychologie studiert und dann im Personal-Recruiting gearbeitet. „Meine Arbeit braucht die Sprache, deshalb hatte ich auch kaum Erwartungen an meine berufliche Zukunft, als ich hier eintraf. Um mir die Sprache anzueignen, brauche ich Zeit, ich finde es nicht einfach, Deutsch zu lernen. Denn ich muss ja auch so gut sprechen und verstehen, dass ich selbstständig recherchieren kann!“

Als Lizett Samaniego dann vom Mentorinnen-Programm für Migrantinnen erfuhr – in einer Facebook Gruppe für Spanisch sprechende Frauen in Baden-Württemberg – fühlte sie sich gleich angesprochen. „Ich dachte: Ja, ich möchte auch mal als Mentorin arbeiten, entweder ehrenamtlich oder bezahlt. Ich genieße diese Arbeit!“

Hürden überwinden

Aber wie sollte sie dieses Ziel erreichen? Lizett Samaniego verfügte über kein eigenes Netzwerk, kannte damals nur Freunde ihres Mannes, den sie 2013 in Neuseeland kennengelernt hatte. Sie stand also vor der Herausforderung, sich hier etwas Eigenes aufzubauen und überlegte, dass es ein guter Anfang wäre, Erfahrungen als Mentee zu sammeln.

„Vor Beginn des Mentorinnen-Programms war ich sehr nervös und wenig selbstbewusst. Mit meiner Mentorin Tabea habe ich dann zuerst über meine Ziele gesprochen und darüber, wie es für mich weitergeht, solange ich die Sprache noch nicht so gut beherrsche – in welcher Branche ich da überhaupt Fuß fassen kann… Tabea kommt aus der IT-Branche, dieser Bereich hat mich sehr interessiert und so habe ich geplant, ihn mit meinen Vorkenntnissen aus der Psychologie zu kombinieren.“

Mut machen

Tabea Wosnitza arbeitet als IT-Projektmanagerin bei einem Software-Unternehmen und startete mit Lizett Samaniego bereits zum zweiten Mal als Mentorin ins Programm. „Ich finde dieses Mentoring so sinnvoll“, betont die 32-Jährige. „Ich möchte denen Mut machen, die zwar die Kompetenzen in sich tragen, sich in den Arbeitsmarkt-Strukturen hier in Deutschland aber nicht zurechtfinden. Das ist mein Herzensthema, denn ich komme nicht aus einem Akademikerhaushalt, sondern habe mir viel selbst erarbeitet. Für mich musste ich erstmal eine Hürde überwinden, um an die Hochschule zu gehen. Dort habe ich dann aber schnell gemerkt: Die kochen auch nur mit Wasser! Ich konnte mein Studium gut meistern. Deshalb möchte ich anderen Frauen Mut machen und ihnen sagen: Du kannst das auch schaffen!“

Nachdem Tabea Wosnitza von dem Programm erfahren hatte, meldete sie sich direkt bei der Kontaktstelle und bewarb sich als Mentorin. Sowohl ihre erste als auch ihre zweite Mentee – Lizett Samaniego – starteten mit sehr schlechten Sprachkenntnissen. „Lizett wollte ein Masterstudium beginnen, brachte dafür aber nicht die sprachliche Qualifikation mit. Auch meine erste Mentee war hoch qualifiziert, hatte allerdings ebenfalls keine ausreichenden Sprachkenntnisse. Deshalb haben wir einen Einstieg über Praktika und Volontariat versucht und vorher ihre Bewerbungsunterlagen überarbeitet – das hat ihr sehr geholfen. Wir haben auch Stellenangebote gesichtet. Denn die Mentees müssen erstmal in die Lage versetzt werden, Job-Profile einschätzen zu können, damit sie selber beurteilen können, ob es Sinn macht, sich auf das Angebot zu bewerben.

Lizett wollte ja beispielsweise ein Masterstudium machen und ihre Kenntnisse mit einem für sie neuen Bereich, der Informatik, kombinieren. Wir haben uns dazu dann an einer Hochschule beraten lassen. Da erklärte uns die Beraterin, dass das mit ihren Voraussetzungen nicht das Richtige für Lizett sei.“

Neue Wege finden


Lizett Samaniego war enttäuscht, dass sie das geplante Masterstudium nicht antreten konnte: „Ich suche etwas, das Deutschland auch braucht und das mir gleichzeitig Spaß macht. Deshalb nehme ich zurzeit am Programm „Brückenmaßnahme für eingewanderte Akademikerinnen mit dem Schwerpunkt   Bildung und Beratung“ teil. Ich habe auch im Berufsberatungsbereich der Kontaktstelle hospitiert. Das gefällt mir gut, ich kann mir vorstellen, in diesem Zweig zu bleiben. Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf meine Abschlussarbeit.

Im Mentoring mit Tabea habe ich den deutschen Arbeitsmarkt kennengelernt, meine Sprache verbessert und mein Selbstbewusstsein sehr gestärkt. Davon werde ich auch in Zukunft profitieren!“ Mentorin Tabea Wosnitza gewinnt ebenfalls durch das Programm: „Ich mag es sehr, Einblicke in andere Kulturen zu bekommen und natürlich sind die Mentees dankbar für meine Unterstützung. Das gibt einem selber auch etwas.“ Zurzeit ist die Projektmanagerin in der Babypause, mit ihrer Mentee bleibt sie aber in Kontakt. Zum nächsten Treffen sind die beiden schon verabredet.

Unterstützung durch die Kontaktstelle

„Im ersten Durchgang habe ich die Angebote der Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart zum Programm häufiger in Anspruch genommen“, erklärt Tabea Wosnitza. „Am Anfang musste ich für mich ja erstmal herausfinden, wie genau mein Part als Mentorin aussieht. Die Kontaktstelle unterstützt uns durch ein Rahmenprogramm, das ist sehr wertvoll. Und, wenn ich Fragen habe, bekomme ich Feedback. Ich gebe meiner Mentee Einblicke in unsere Welt, die ihr fremd ist. Ich helfe ihr, sich zurechtzufinden und stelle auch meine Netzwerke und meine Erfahrungen zur Verfügung. Das ist eine rundum sinnvolle und erfüllende Sache!“

„Es ist ein Programm der interkulturellen Begegnung. Auch wir in der Kontaktstelle lernen von den Teilnehmerinnen“, bilanziert Inge Zimmermann, Leiterin der Kontaktstelle Stuttgart. „Wir bekommen Einblicke in Welten, die uns nicht vertraut sind und schlagen die Brücke zwischen diesen Welten, mit dem Ziel, die Expertisen und Erfahrungen dieser unterschiedlichen Welten zum Nutzen aller zusammenzubringen. Die Mentees fassen nach und nach auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß, erweitern und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber finden Fachkräfte“.

Zertifizierungssiegel DGM
Zertifizierungssiegel DGM

Seit 2018 ist das Mentorinnen-Programm durch die Deutsche Gesellschaft für Mentoring (DGM) erfolgreich zertifiziert.

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