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Frau & Berufsweg

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf bietet Frauen individuelle Beratung zu allen beruflichen Fragen, von der beruflichen Orientierung über den Wiedereinstieg bis zur beruflichen Weiterentwicklung.     

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Kopf einer jungen Frau mit langen glatten Haaren. Sie hält eine Brille mit schwarzem Gestell in Höhe des Kinns vor sich.
Frau & Wirtschaft

Die Kontaktstellen Frau und Beruf sind Ansprechpartnerinnen für die Wirtschaft und für Unternehmen, die sich für Chancengleichheit und die berufliche Frauenförderung einsetzen.

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Frau mit dunklem Parka und weissem Baustellenhelm, die mit dem Handy telefoniert. In Hintergrund Auszug einer Baustelle
Frau & Netzwerk

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf engagiert sich in Partner-Netzwerken, pflegt Kontakte und stellt Verbindungen zu anderen, relevanten Netzwerken und Kooperationen her, um die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben zu fördern.

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Fünf Frauen unterschiedlichen Alters stehen im Halbkreis. Mit ihren Händen umfassen sie unterschiedliche Bänder und Seile.
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg

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Eine junge Frau Anfang 20 mit mittellangen gewellten braunen Haaren schaut lachend in die Kamera.

„Es geht so viel Potenzial verloren – da müssen wir etwas tun!“

Portrait Agnieszka Hölzer
Portrait Agnieszka Hölzer

Agnieszka Hölzer betreut seit zwei Jahren als externe Koordinatorin das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen der Kontaktstelle Karlsruhe – Mittlerer Oberrhein. Sie unterstützt das Projekt mit viel Herzblut, Expertise und Leidenschaft und weiß aus eigener Erfahrung um die Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit denen Migrantinnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu kämpfen haben. In dieser Erfolgsgeschichte schildert sie ihren beruflichen Weg und gibt Einblicke in die Arbeit des Programms.

Die berufliche Biografie und der Neustart in Deutschland

Agnieszka Hölzer kommt gebürtig aus Polen und hat in ihrem Heimatland russische Philologie studiert. Dank eines Stipendiums konnte sie für ein Semester in Russland an die Universität: „Das war eine sehr bereichernde Erfahrung für mich! Ich bekam die Möglichkeit, in eine andere Kultur einzutauchen und viele interessante Menschen kennenzulernen.“ Auf das Studium folgte eine achtjährige Anstellung als Projektkoordinatorin in einem polnischen Unternehmen. Mit dem Job waren viele Geschäftsreisen und internationale Kooperationen verbunden, wie kurze Auslandsaufenthalte in Schweden, Russland oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Ich habe schon früh den interkulturellen Austausch und die Verbindung zu anderen Menschen gesucht“, erklärt die 40-Jährige.

2010 begann sie ein zweites Studium: „Ich wollte mich weiterentwickeln. Deshalb machte ich meinen Master in Business Administration. Zwei Jahre später lernte ich dann meinen Mann kennen – und wieder veränderte sich alles. Ich verließ Polen, um zu meinem Mann nach Karlsruhe zu ziehen. Das war für mich eine große Herausforderung, ich musste mit 33 Jahren ganz von vorne anfangen. Ich sprach damals drei Sprachen – Polnisch, Englisch und Russisch – aber Deutsch konnte ich nicht.“ Agnieszka Hölzer hat sich jedoch nicht entmutigen lassen: „Als Philologin habe ich recht schnell Zugang zu der deutschen Sprache gefunden. Ich schrieb mit viel Ehrgeiz und Elan Bewerbungen und schon im Frühjahr 2014 trat ich eine Stelle als Hauptkoordinatorin in einem Karlsruher Unternehmen an. Aber wirklich zufrieden war ich nicht. Mir wurde immer bewusster, dass ich meine beruflichen Ziele verändern muss, um langfristig glücklich zu werden.“

Der mutige Schritt in die Selbstständigkeit

Agnieszka Hölzer erfüllte sich den Wunsch, ein eigenes kleines Unternehmen zu gründen und folgte ihrer Leidenschaft – der interkulturellen Begegnung mit Menschen. „Ich möchte Frauen dabei unterstützen, eine neue berufliche Laufbahn in Deutschland einzuschlagen. Als Life Coach helfe ich den Frauen dabei, Stärken zu identifizieren, Kraft zu sammeln und eine eigene Karriere auf dem deutschen Arbeitsmarkt in Einklang mit sich selbst zu realisieren“, erklärt Agnieszka Hölzer ihr Geschäftskonzept. „Meine Arbeit ist meine Leidenschaft – die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und die Begleitung der Frauen in ihrer Entwicklung ist für mich immer eine wundervolle Erfahrung.“

Das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen

„Als externe Koordinatorin im Mentorinnen-Programm für Migrantinnen kann ich die Entwicklungsfortschritte der Frauen hautnah miterleben“, erklärt Agnieszka Hölzer. Das Programm ist ein zusätzliches Angebot der Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg für Frauen mit Migrationshintergrund. „Im Rahmen des Mentorings unterstützt eine beruflich erfahrene Mentorin ihre Mentee mit ihrem Wissen und ihren Kontakten bei der Berufswegplanung und beim Aufbau eigener Netzwerke. Bevor ich von der Kontaktstelle Karlsruhe – Mittlerer Oberrhein gefragt wurde, ob ich das Programm als Expertenkoordinatorin betreuen möchte, habe ich mich zwei Jahre lang als Mentorin engagiert. Ich habe die Mentees mit all meinem Wissen bei der Umsetzung ihrer (beruflichen) Ziele unterstützt“, ordnet Agnieszka Hölzer ein.

„Meine Aufgaben als Koordinatorin des Programms sind natürlich etwas anderer Natur als die einer Mentorin. Einen Großteil meiner Zeit investiere ich in den Matching-Prozess. Beim Matching geht es darum, die Tandems zusammenzustellen und die größtmögliche Übereinstimmung zwischen den am Programm teilnehmenden Mentees und Mentorinnen zu finden. Die Tandems sollen eine vertrauensvolle und konstruktive Beziehung eingehen, dafür ist ein sorgfältiges Matching unabdingbar.“ Um das zu gewährleisten, trifft Agnieszka Hölzer anhand von Parametern wie Qualifikation, Ausbildung oder Netzwerk eine Vorauswahl über potenzielle Tandemkonstellationen und sucht im Anschluss das persönliche Gespräch mit der Mentorin und der Mentee. „Ich organisiere ein Treffen in der Kontaktstelle und ermittle mit den zwei Frauen Bedürfnisse und Ziele. Dann schaue ich, ob die beiden zusammenpassen. Bei der Entscheidung lasse ich mich auch von meiner Intuition leiten – man merkt schnell, ob das Tandem auf der zwischenmenschlichen Ebene harmoniert oder nicht“, erläutert die 40-jährige Koordinatorin. „Zwischen vielen Frauen entwickeln sich Freundschaften, die auch nach dem Mentorinnen-Programm weiterbestehen – das ist natürlich der Optimalfall.“

Warum braucht es das Programm?

„Migrantinnen bringen so viel Erfahrung mit, aber häufig geht dieses Potenzial verloren. Viele von ihnen haben Angst, dass ihre Sprachkompetenz nicht gut genug ist, fühlen sich allein und in ihren Fähigkeiten nicht anerkannt. Deshalb bleiben sie häufig unter ihren beruflichen Möglichkeiten und sind frustriert – darunter leidet auch das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen. Es bedarf einer speziellen und individuellen Beratung, in der der Fokus auf der beruflichen Entwicklung der Mentee liegt. Durch das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen sind viele Frauen endlich auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen und haben eine qualifikationsgerechte Stelle gefunden. Dazu möchte ich aber anmerken, dass das primäre Ziel des Programms nicht die Vermittlung in Arbeit ist, sondern die Stärkung der Mentees. Es geht also um viel mehr! Die Frauen sollen in ihren Kompetenzen bestätigt und in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden – hier leisten die Mentorinnen wichtige (emotionale) Aufbauarbeit! Sie geben Mut und neue, inspirierende Impulse. Die Mentees müssen etwas finden, was sie glücklich macht und ihrem Potenzial entspricht – hier möchten wir weiterhin unterstützen und helfen“, resümiert Agnieszka Hölzer.

Agnieszka Hölzer, September 2020
Kontaktstelle Frau und Beruf Karlsruhe – Mittlerer Oberrhein

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