Frau & Berufsweg

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf bietet Frauen individuelle Beratung zu allen beruflichen Fragen, von der beruflichen Orientierung über den Wiedereinstieg bis zur beruflichen Weiterentwicklung.     

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Frau & Wirtschaft

Die Kontaktstellen Frau und Beruf sind Ansprechpartnerinnen für die Wirtschaft und für Unternehmen, die sich für Chancengleichheit und die berufliche Frauenförderung einsetzen.

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Frau & Netzwerk

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf engagiert sich in Partner-Netzwerken, pflegt Kontakte und stellt Verbindungen zu anderen, relevanten Netzwerken und Kooperationen her, um die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben zu fördern.

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Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg

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Von der Sprachschülerin bis zur stellvertretenden Abteilungsleiterin

Mein Name ist Eugenia Hetzel. Ich bin 41 Jahre alt und komme ursprünglich aus Weißrussland. Dort habe ich Ingenieurwesen und Verfahrenstechnik studiert und anschließend als Qualitätsingenieurin bei einem Lebensmittelkonzern gearbeitet.
Dann kam die Liebe ins Spiel und ich habe mich entschieden, nach Deutschland umzuziehen. Dabei konnte ich kein Wort Deutsch.

Der Neubeginn
In Deutschland angekommen, musste ich beruflich neu beginnen, zunächst mit Sprachkursen. Danach folgte ein Jahr Aufbaustudium an einer deutschen Universität.
Als sich mein Mann beruflich veränderte, sind wir umgezogen. Ich habe mich entschieden, das Aufbaustudium abzubrechen und einen direkten Berufseinstieg in Deutschland zu versuchen. Um im Beruf „Chemieingenieurin“ zu arbeiten, braucht man in Deutschland keine Anerkennung, so dass ich sofort auf den Arbeitsmarkt gehen konnte.

Der Aufstieg
Es hat geklappt. Ich bekam meine erste Stelle in Deutschland als Chemielaborantin in Teilzeit bei einem mittelständischen Unternehmen. Dann habe ich als Laborleiterin eines kleinen Unternehmens gearbeitet und schließlich als Projektmanagerin – ebenfalls in Teilzeit.
Seit 2012 bin ich als Sachgebietsleiterin mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei einer Kommune tätig, seit 2019 zusätzlich als stellvertretende Abteilungsleiterin mit rund 80 Mitarbeitenden.

„Zwischendurch“ habe ich zwei Töchter bekommen. Sie sind inzwischen 11 und 13 Jahre alt.


Meine Erfolgsgeheimnisse:

1) Sich ein klares Ziel setzen (was will ich und bis wann):
Als ich nach Deutschland kam, war ich 24 Jahre alt. Ich konnte noch kein Deutsch, habe mir aber gleich drei Ziele gesetzt: spätestens mit 30 Jahren wollte ich einen Job mit Führungsverantwortung haben, ein Haus und zwei Kinder.
Und tatsächlich: Meinen 30. Geburtstag feierte ich als Laborleiterin, Hausbesitzerin, Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern.

2) Ausdauer! Sich nicht vom Ziel abbringen lassen, bei Niederlagen wieder aufstehen und weitergehen:
Bei meiner Jobsuche hatte ich am Anfang keinen Erfolg. Alle meinen Bewerbungen gingen ins Leere. Aus diesem Grund habe ich ein privates Bewerbungscoaching gemacht. Es hat sehr viel Geld gekostet, aber es hat sich gelohnt: wir haben meine Bewerbungsunterlagen optimiert und Vorstellungsgespräche geübt. Danach habe ich tatsächlich die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen und hatte bald darauf meinen ersten Job. Hätte ich damals von den kostenfreien Angeboten der Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg gewusst, wäre mir das eine große Hilfe gewesen…!

3) Unterstützung der Familie:

An den Tagen, an denen ich anfänglich gearbeitet habe, musste ich wegen der langen Anfahrtswege sehr früh aufstehen und kam ziemlich spät zurück. Mein Mann hat die Kinder – vor seinem eigenen Arbeitsbeginn – morgens fertig gemacht und zur Tagesmutter bzw. zum Kindergarten gebracht und sie abends wieder abgeholt.
Ohne diese Unterstützung hätte ich damals nicht arbeiten können.

4) Hohes Organisationsgeschick:
Ich habe alle Aufgaben, von denen ich denke, dass andere Menschen sie mindestens so gut wie ich ausführen können, delegiert: die Kinderbetreuung übernahm zunächst eine Tagesmutter und später ein Au-Pair-Mädchen, das auch den Haushalt machte. Die Hausaufgaben der Mädchen betreute eine Nachbarin und eine weitere Nachbarin organisierte die Kindergeburtstage. So konnte ich die Zeit mit meinen Töchtern bewusst genießen und bin für sie eine Mentorin und eine Person, die mit ihnen „Quatsch“ macht.
In der frei gewordenen Zeit konnte ich mich außerdem weiterentwickeln, interessante Seminare besuchen, Fachliteratur lesen und Gespräche mit erfolgreichen Menschen führen.
Zunächst hat das Delegieren all dieser Tätigkeiten die Hälfte meines Gehalts verschlungen. Aber es hat sich gelohnt, denn nur so konnte ich mich für verantwortungsvolle Aufgaben qualifizieren.

5) Hohe Resilienz gegenüber unerbetenen (Meinungs-) Äußerungen:
Ich wurde immer wieder mit Bemerkungen konfrontiert wie beispielsweise „Wenn Du den ganzen Tag arbeitest, warum hast Du dann überhaupt Kinder bekommen?“ oder „Ich war für meine Kinder zu Hause, bis sie Achtzehn geworden sind.“ Davon musste ich mich abgrenzen. Das habe ich getan und gehe den Weg weiter, der mir richtig erscheint.


Und das war er, mein beruflicher Weg in Deutschland - von der Sprachschülerin bis zur stellvertretenden Abteilungsleiterin.
Ich bin sicher: Fortsetzung folgt!


Inzwischen engagiere ich mich als Mentorin im Mentorinnen-Programm für Migrantinnen bei der Kontaktstelle Karlsruhe - Mittlerer Oberrhein und unterstütze Frauen mit Migrationsgeschichte in beruflichen Fragen und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.


Eugenia Hetzel im März 2020

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