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Frau & Berufsweg

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf bietet Frauen individuelle Beratung zu allen beruflichen Fragen, von der beruflichen Orientierung über den Wiedereinstieg bis zur beruflichen Weiterentwicklung.     

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Kopf einer jungen Frau mit langen glatten Haaren. Sie hält eine Brille mit schwarzem Gestell in Höhe des Kinns vor sich.
Frau & Wirtschaft

Die Kontaktstellen Frau und Beruf sind Ansprechpartnerinnen für die Wirtschaft und für Unternehmen, die sich für Chancengleichheit und die berufliche Frauenförderung einsetzen.

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Frau mit dunklem Parka und weissem Baustellenhelm, die mit dem Handy telefoniert. In Hintergrund Auszug einer Baustelle
Frau & Netzwerk

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf engagiert sich in Partner-Netzwerken, pflegt Kontakte und stellt Verbindungen zu anderen, relevanten Netzwerken und Kooperationen her, um die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben zu fördern.

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Fünf Frauen unterschiedlichen Alters stehen im Halbkreis. Mit ihren Händen umfassen sie unterschiedliche Bänder und Seile.
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg

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Eine junge Frau Anfang 20 mit mittellangen gewellten braunen Haaren schaut lachend in die Kamera.

„Durch die Beratung konnte ich meinen Weg finden“

Foto Isabelle Alt
Foto Isabelle Alt

Isabelle Alt ist gelernte Restaurantfachfrau und Sommelière mit Leidenschaft. In eine Gastronomenfamilie hineingeboren, hat sie in einem mit zwei Sternen ausgezeichneten Restaurant ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau absolviert. „Nach der Lehre bin ich in eine renommierte Spitzengastronomie gewechselt. Dort habe ich mich auf Weinkunde spezialisiert und Weine auf ihre Qualität überprüft. Ich habe eine Menge Erfahrung und praktische Kenntnisse sammeln können – beispielsweise bin ich mit Kolleginnen und Kollegen auf Weingüter in Franken gefahren, um die Weinberge vor Ort zu sichten.” Auch sonst war diese Zeit für die engagierte und ehrgeizige 41-Jährige sehr bewegend und aufregend: 1995 hat Isabelle Alt die baden-württembergische Meisterschaft im Service gewonnen und an den Deutschen Meisterschaften in Berlin teilgenommen. „Eine wirklich tolle Erfahrung”, schildert sie.

 

Wo bleibt die Anerkennung?
„Als meine Oma krank wurde, bin ich wieder zurück nach Hause und habe den Berggasthof meiner Großmutter fortgeführt. Dort habe ich dreieinhalb Jahre mit vollem Einsatz gearbeitet. 2001 kam dann mein erstes Kind zur Welt. Ich habe den Berggasthof aufgegeben und bin mit meiner kleinen Familie nach Niederstetten gezogen, weil mein Mann dort eine neue Anstellung gefunden hatte. Ich bin 15 Jahre lang daheim geblieben, um die Haus- und Familienarbeit zu übernehmen. Ich habe diesen Bruch in meiner Berufsbiografie als großen Verlust empfunden. Ich habe immer gerne gearbeitet und viel Selbstwert aus meiner beruflichen Expertise gezogen. Plötzlich war ich ans Haus gebunden und total unflexibel. Aber so ist das leider: in der Gastronomie kann aufgrund der nicht kinder- und familienfreundlichen Arbeitszeiten nur ein Elternteil Karriere machen.


Isabelle Alt kritisiert den Umgang mit Müttern auf dem Arbeitsmarkt und ist sich sicher: „Frauen müssen viel härter um Anerkennung kämpfen. Ich habe voller Herzblut und Engagement in der Gastronomie begonnen, dann kamen die Kinder und danach habe ich nur noch berufliche Abwertung erfahren. Trotz meiner Fähigkeiten und jahrzehntelangen Erfahrung habe ich keinerlei Wertschätzung, Anerkennung oder gar Förderung erhalten – das hat wehgetan und war sehr entmutigend.“ Ihr ehrenamtliches Engagement hat sich Isabelle Alt trotz der hohen Alltagsbelastung und der beruflichen Frustration nicht nehmen lassen: „In meiner Freizeit habe ich Tanzkurse für Kinder angeboten und eine Theatergruppe für Erwachsene geleitet, das war ein schöner Ausgleich“, erklärt die dreifache Mutter.


Angst vor der Altersarmut
„Durch die langjährige Haus- und Familienarbeit habe ich kaum Rentenansprüche erworben, das hat mir Angst gemacht. Ich wusste, dass ich aktiv werden muss, um im Rentenalter nicht in der Armutsfalle zu landen. Durch Zufall bin ich in der Zeitung auf ein Inserat der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken aufmerksam geworden. Daraufhin habe ich einen Termin in der Kontaktstelle vereinbart. Ich bin mit großen Erwartungen in die Beratung gegangen und wurde positiv überrascht: Plötzlich haben sich mir so viele Möglichkeiten und Optionen geboten!“ Isabelle Alt berichtet, dass sie sich durch die empathische und wertschätzende Beratung wieder Gedanken über sich und ihre beruflichen Optionen gemacht hat: „Nachdem ich mich jahrelang nur um die Bedürfnisse anderer gekümmert habe und beruflich nur Abwertung erfahren habe, hat mir die Beratung dabei geholfen, mich auf meine Fähigkeiten, Stärken und beruflichen Perspektiven zu besinnen – dabei wurde mir stets auf Augenhöhe begegnet. Vor der Geburt meiner Kinder wollte ich eine professionelle Weiterbildung zur Sommelière machen. Silke Diehm von der Kontaktstelle Heilbronn-Franken hat mich darin bestärkt und mich bei der Recherche entsprechender Angebote unterstützt – durch die Beratung konnte ich endlich meinen Weg finden“, so Isabelle Alt.


Die Sommelièreausbildung
2017-2018 hat Isabelle Alt in einem mehrwöchigen Präsenzkurs eine Ausbildung zur Sommelière gemacht und diese mit Bravour abgeschlossen. „Die Weinkundeausbildung war sehr anspruchsvoll. Uns wurden innerhalb kürzester Zeit viele Inhalte vermittelt. Ich war die Einzige, die die Prüfungen auf Anhieb bestanden hat. Meine praktischen Erfahrungen in der Gastronomie kamen mir da sehr zugute: viele der Teilnehmerinnen hatten die Verbindung von der Praxis zur Theorie nicht. Durch die Weiterbildung habe ich wieder die Leidenschaft gespürt, die mich von klein auf mit der Gastronomie verbindet. Nach all den frustrierenden Erfahrungen habe ich wieder an Selbstvertrauen und beruflicher Selbstwirksamkeit gewonnen – ein echtes Erfolgserlebnis. Ohne die Kontaktstelle hätte ich nie den Mut gehabt, die Ausbildung zu beginnen.“


Isabelle Alt merkt aber auch an, dass Erfahrungswerte mehr zählen sollten: „Ich musste erst einen Titel als Sommelière erwerben, um beruflich wieder Fuß fassen zu können – dabei kann ich auf jahrzehntelange Praxiserfahrungen im Servicebereich zurückgreifen. Das ist doch so viel wertvoller als eine schöne Berufsbezeichnung.“


Existenzgründung im Nebenerwerb
Isabelle Alt berichtet, dass sie und ihr Ehemann sich dazu entschlossen haben, sich (vorerst) im Nebenerwerb selbstständig zu machen: „Wir haben an eine Agentur für Wein gedacht, die sowohl Beratung und Expertise als auch Weinproben mit exquisiten Weinen anbietet. Wir arbeiten mittlerweile beide in Vollzeit, deshalb ist die Planung und Umsetzung eine wirklich große Herausforderung für uns. Da wir beide nicht unbedarft in die Selbstständigkeit gehen wollten, habe ich mich noch einmal beraten lassen und ein Coaching des Bildungswerks des LandFrauenverbandes in Kooperation mit der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken besucht. Gemeinsam mit sieben anderen Teilnehmerinnen habe ich unter Anleitung einer Existenzgründungsberaterin an unserem Geschäftsmodell gearbeitet und es weiterentwickelt. Die Coachin hat uns dazu animiert, unsere ausgearbeiteten Gründungs- und Unternehmensideen zu präsentieren und uns kritisch zu reflektieren: Sind die Gründungspläne realistisch, und wenn ja: Wie lassen sie sich strategisch umsetzen? In der Coachinggruppe habe ich viele neue Impulse erhalten, die für die Gründungsphase sehr wertvoll sind“, erläutert die dreifache Mutter. Auch zwischenmenschlich war das Coaching eine echte Bereicherung: „Ich habe mit einer Frau aus der Gruppe Freundschaft geschlossen, die nun das Logo für unseren Betrieb entwirft – ein wirklich toller Zufall.“

Seit Dezember 2020 arbeitet Isabelle Alt in Vollzeit als Abteilungsleiterin in einer Vinothek.

Isabelle Alt, Oktober 2020
Kontaktstelle Heilbronn-Franken

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