Frau & Berufsweg

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf bietet Frauen individuelle Beratung zu allen beruflichen Fragen, von der beruflichen Orientierung über den Wiedereinstieg bis zur beruflichen Weiterentwicklung.     

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Kopf einer jungen Frau mit langen glatten Haaren. Sie hält eine Brille mit schwarzem Gestell in Höhe des Kinns vor sich.
Frau & Wirtschaft

Die Kontaktstellen Frau und Beruf sind Ansprechpartnerinnen für die Wirtschaft und für Unternehmen, die sich für Chancengleichheit und die berufliche Frauenförderung einsetzen.

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Frau mit dunklem Parka und weissem Baustellenhelm, die mit dem Handy telefoniert. In Hintergrund Auszug einer Baustelle
Frau & Netzwerk

Das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf engagiert sich in Partner-Netzwerken, pflegt Kontakte und stellt Verbindungen zu anderen, relevanten Netzwerken und Kooperationen her, um die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben zu fördern.

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Fünf Frauen unterschiedlichen Alters stehen im Halbkreis. Mit ihren Händen umfassen sie unterschiedliche Bänder und Seile.
Mentorinnen-Programm

Die Kontaktstellen Frau und Beruf fördern mit dem Mentorinnen-Programm die Integration von Frauen mit Migrationserfahrung in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg

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Eine junge Frau Anfang 20 mit mittellangen gewellten braunen Haaren schaut lachend in die Kamera.

„Ich suche immer meinen Weg – ich bin hochqualifiziert!“

Foto Sevil Becker
Eine Frau mit kurzen braunen Haaren lächelt in die Kamera. Sie trägt einen rot-weißen Blazer und einen Seidenschal. Im Hintergrund ist eine Blume zu sehen.

Als Sevil Becker mit 30 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, folgte auf die anfängliche Freude schnell Ernüchterung: Ihr Diplom wurde nicht anerkannt. In ihrem Heimatland hatte Sevil Becker als Wirtschaftsingenieurin in Vollzeit gearbeitet. Als sie ihren Mann kennenlernte, zog sie nach Deutschland.

Die Anfangszeit war voller Hürden und Erschwernisse: „Wenn man in einem Land fremd ist, ist man voller Ängste. In Gesprächen habe ich mich häufig gefragt: Hat die Person mich überhaupt verstanden?“. Sevil Becker hat sich jedoch nicht entmutigen lassen. Ein Jahr später konnte sie ihre erste Stelle als Datentypistin in einem Heidelberger Labor antreten. Unterstützungsangebote gab es damals kaum.

„Als zwei Jahre später mein Sohn auf die Welt kam, habe ich meine Stelle auf 450 Euro-Basis gedrosselt und mich um die Erziehung und um den Haushalt gekümmert.“ Darüber hinaus ist Sevil Becker ehrenamtlich hoch engagiert und bietet in ihrer Freizeit Kochkurse für Erwachsene und Kinder an. Nebenbei hat sie ein Kinderbuch für ihren Sohn Adrian geschrieben, das veröffentlicht wurde. Immer wieder hat sich Sevil Becker neuen Herausforderungen gestellt: „Ich habe immer am Arbeitsleben teilgenommen und mich mit Herz und Verstand engagiert – trotzdem kam ich beruflich nicht weiter“, erzählt sie. Oft fühlte sie sich herabgesetzt und in ihren Fertigkeiten und Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt nicht anerkannt.


Endlich wieder Hoffnung

Eine Bekannte machte Sevil Becker dann auf das Beratungsangebot der Kontaktstellen Frau und Beruf aufmerksam. „Ich habe einen Termin vereinbart und innerhalb kürzester Zeit ein persönliches Beratungsgespräch gehabt. Meine Beraterin in der Kontaktstelle Mannheim – Rhein-Neckar-Odenwald war sehr verständnisvoll und hat mir Mut gemacht. Ich wurde mir wieder meiner Stärken und Fähigkeiten bewusst, obwohl ich mein Diplom nicht anerkannt bekam. Ich habe begriffen, dass ich auch ohne Uniabschluss meine Leistung abrufen kann. Selbst wenn der Titel fehlt, meinen Kopf nimmt mir niemand“, erläutert die 54-Jährige.

„Ich habe endlich wieder Hoffnung gespürt. Meine Beraterin in der Kontaktstelle hat mich in meinen Sorgen und Ängsten ernst genommen und gleichzeitig analysiert, welche Möglichkeiten ich habe. Mir wurden realistische Perspektiven aufgezeigt! Sonst bekam ich häufig zu hören, dass ich mich um die Anerkennung meiner Qualifikationen bemühen sollte, dabei hatte ich doch fachlich längst den Anschluss verloren: Ich habe mehr als 20 Jahre lang nicht als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet. Meine Beraterin in der Kontaktstelle hat sich darauf konzentriert, mir andere Optionen aufzuzeigen und ein Wiedereinstiegsseminar empfohlen.“


Das Wiedereinstiegsseminar

Das Wiedereinstiegsseminar war für Sevil Becker eine tolle und lehrreiche Erfahrung: „Man merkt, dass man nicht alleine ist! Es gibt so viele Frauen, die etwas anderes machen möchten, aber nicht um ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten wissen – das hat mich sehr berührt!“ Das Wiedereinstiegsseminar bestand aus zwölf Terminen, in denen die Frauen viel gelernt haben, auch über sich: Die Teilnehmerinnen sprachen über Selbstbewusstsein, Chancen und Barrieren, Kompetenzen und Visionen.

„Das war mitunter wirklich emotional“, so Sevil Becker. „Wir wurden dazu angehalten, uns unserer Kompetenzen bewusst zu werden: Was sind meine Fähigkeiten und Stärken? Wo liegen meine Schwächen, woran muss ich arbeiten? Was sind meine Erwartungen – und wie kann ich diesen gerecht werden?“

Auch heute stehen die Frauen noch in Kontakt: „Es ist so ein schönes Gefühl, sich gegenseitig auszutauschen und jemanden um Rat fragen zu können.“ Aus der bunt zusammengesetzten Seminargruppe ist ein richtiges Unterstützungsnetzwerk geworden.


„Sie werden in Ihrem neuen Job eine Bereicherung sein!“

Durch die Beratung in der Kontaktstelle hat Sevil Becker wieder ihr altes Selbstbewusstsein zurückgewonnen: „Ich habe Mut bekommen und wurde darin bestärkt, immer noch beruflich Fuß fassen zu können, trotz meines Alters. Zum Abschied sagte meine Beraterin zu mir, dass ich in meinem neuen Job eine große Bereicherung sein würde – das hatte noch nie jemand zu mir gesagt.“

Derzeit nimmt Sevil Becker an einer Weiterbildung teil, die sich aus verschiedenen Modulen zusammensetzt: u.a. Projektmanagement, Personalwesen, Büromanagement. Um die theoretischen Inhalte in der Praxis vertiefen zu können, arbeitet sie als Büroassistentin im Sozialdienst.

Was Sevil Becker allen Frauen rät: „Haben Sie Vertrauen in Ihre eigenen Fähigkeiten, lassen Sie sich nicht entmutigen – wir Frauen müssen uns gegenseitig unterstützen.“


Sevil Becker, April 2020
Kontaktstelle Frau und Beruf Mannheim – Rhein-Neckar-Odenwald



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