Traumberuf Lehrerin drohte zu platzen
Vesile B. erlebte ein Prüfungstrauma, das sie an ihrer Eignung als Lehrerin und sich selbst fast verzweifeln ließ. Mit Hilfe der Kontaktstelle Frau und Beruf in Mannheim und der Unterstützung ihrer Familie, fand sie ihren Mut und ihre Motivation wieder, ihr Ziel nicht aufzugeben.
Aus eigener Erfahrung weiß Vesile, wie schwer es Kinder in der Schule haben, die aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten stammen oder wie sie selbst, aus einer türkischstämmigen Arbeiterfamilie. Stets musste sie in der Schule mehr Leistung erbringen, um mit den anderen mithalten zu können. Besonders stark spürte sie den Unterschied während ihrer Zeit an einem Elite-Gymnasium. Obwohl Vesiles Eltern sie immer unterstützt und zu einer höheren Schulbildung ermutigt haben, stießen ihre Möglichkeiten an Grenzen, wie z. B. Hilfe in Latein. Für Kinder aus Akademikerfamilien war das eher kein Problem. Vesile wurde sich immer mehr bewusst, wie entscheidend Bildung für den Lebensweg ist. So wuchs in ihr der starke Wunsch danach, Lehrerin zu werden. Eigentlich lief auch alles sehr gut für Vesile. Sie kam mit viel Fleiß und guten Noten durchs Lehramts-Studium und bestand alle Prüfungen im 1. Staatsexamen – bis auf eine.
Prüfungstrauma
Vesile fühlte sich in der mündlichen Prüfung von Ihrem Prüfer nicht ernstgenommen und diskriminiert. Sein Verhalten verunsicherte sie so stark, dass sie die Prüfung nicht schaffte. Das war nur schwer für sie zu verwinden, denn ihre Noten waren immer sehr gut gewesen. Daher wollte sie im zweiten Versuch, ihr „Versagen“ durch noch mehr Vorbereitung und bessere Leistungen ausgleichen. Sie war sich sicher, die 2. Prüfung zu bestehen, obwohl sie wieder auf denselben Prüfer treffen würde. Auch da dachte sie noch: Es wird schon, du hast jetzt so viel geleistet. In der Prüfung realisierte sie jedoch, dass sie sich erneut verunsichern ließ. Sie fiel ein zweites Mal durch. Diese erschütternde Erfahrung ließ Vesile an sich zweifeln. Sie war an einem Punkt, ihren Traum, Lehrerin zu werden, aufzugeben. Sie versuchte Rat und Halt zu finden. Ihre Mutter brachte sie auf die Idee, sich an die Kontaktstelle Frau und Beruf in Mannheim zu wenden.
Es war die erste Anlaufstelle, die mir Motivation gab.
Mut und Motivation wiedergefunden
In den einfühlsamen Beratungsgesprächen mit Corinna Störzinger, Beraterin der Kontaktstelle Frau und Beruf, fand Vesile B. ihren Mut wieder und erkannte, dass es nicht an ihrer mangelnden Leistung und Befähigung gelegen hatte, dass sie die Mathe-Prüfungen nicht bestanden hatte. Gemeinsam erarbeiteten Corinna Störzinger und Vesile B. die Optionen. Eine dritte Prüfung ist im 1. Staatsexamen nicht vorgesehen, aber ohne Examen würde der Traum platzen, jemals als Lehrerin arbeiten zu können. Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt für Vesile, der ihr einen anderen Traum in Erinnerung rief und der sich zum Plan B entwickelte: ein eigenes Café. Die Beratung erbrachte aber auch, dass sie nach wie vor große Ambitionen für den Lehrerberuf hatte, in den sie bereits zu viel Leistung investiert hatte, um vorschnell aufzugeben. Auf der anderen Seite war die Angst, dass alles noch einmal durchleben zu müssen. „Es war eine Achterbahn der Gefühle,“ erzählt Vesile.
Dank der Unterstützung der Kontaktstelle, habe ich es geschafft, mich innerlich wieder zu positionieren und mich danach entschieden, mein Studium fortzusetzen. Mir war klar, dass ich einen Hochschulabschluss brauche, um beruflich weiterzukommen.
Nach ausführlichen Gesprächen gewährte ihr die Uni einen Drittversuch mit einem anderen Prüfer. Vesile bestand die Prüfung problemlos mit guter Note. Dadurch fügte sich für sie wieder alles zusammen. Sie beschreibt es aber auch als inneren Sieg: „Die Widerstände haben mich nicht gebrochen, sondern geformt“, verkündet sie stolz. Ihr Ziel, einen Hochschulabschluss in der Tasche zu haben, hat sie erreicht. Als nächstes steht das Referendariat und anschließend das 2. Staatsexamen an. Sie bewirbt sich aktuell auf das Referendariat. Gleichzeitig hört sie heute auch auf ihr „inneres Kind“. Auf die leise Stimme, die sich nach Kreativität und Austausch sehnt. Deshalb träumt sie davon, eines Tages ihr eigenes Café zu eröffnen – einen Ort der Begegnung, des Genusses und der kulturellen Geschichte ihrer eigenen Herkunft. Ein Raum, in dem Menschen einfach sein dürfen. Auch in Sachen „Selbstständigmachen“ war die Kontaktstelle Frau und Beruf in Mannheim ihre erste Anlaufstelle.
„Zuerst werde ich meine Ausbildung als Lehrerin zu Ende bringen und dann weitersehen. So stehen mir alle Optionen offen.“, beschreibt Vesile ihren aktuellen Plan.
Die Beratung der Kontaktstelle war für mich sehr wertvoll, ich habe viel gelernt. Man kann hinfallen und wieder aufstehen und man kann das Vertrauen in sich selbst wiederfinden. Ich habe außerdem realisiert, dass Erfolg nicht bedeutet, keine Hindernisse auf seinem Weg zu haben, sondern, dass man danach noch besser vorankommt.
Kontaktstelle Frau und Beruf Mannheim - Rhein-Neckar-Odenwald im Februar 2026
Informationen zur Kontaktstelle Mannheim - Rhein-Neckar-Odenwald
Kontaktstelle Frau und Beruf Mannheim
Bild und Bildquelle: Vesile B.