Celine Johny und Karen Melgarejo

„Erfolg kennt keine Herkunft“

Karen Melgarejo aus Bolivien hat das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen selbst als Mentee durchlaufen. Heute begleitet sie als Mentorin Celine Johny aus Indien. Beide sind sich einig: Die Kontaktstelle Frau und Beruf in Freiburg und das Mentorinnen-Programm empfehlen sie auf jeden Fall weiter.

Den Hinweis auf die Kontaktstelle Frau und Beruf in Freiburg bekommt Celine Johny von ihrer Beraterin bei der Agentur für Arbeit. „Ich bin zunächst auf die Website gegangen, um zu schauen: Was ist die ‚Kontaktstelle Frau und Beruf?‘”, erzählt Celine Johny. „Ich habe verstanden, dass es eine Unterstützung für zugewanderte Frauen ist, hier ihren beruflichen Weg zu finden. Das war genau mein Ziel. Genau diese Unterstützung hatte ich gesucht. Vieles ist unklar, wenn man aus einem anderen Land kommt.“ Sie besucht dort zunächst Seminare und wird von der Kontaktstelle dann in das Mentorinnen-Programm aufgenommen.

Die Kontaktstelle stellt das Tandem gezielt zusammen: Melgarejo hat in Bolivien Biologie studiert, Johny in Indien Mikrobiologie und zusätzlich Ernährungswissenschaft. Beide kennen zudem die Erfahrung, in Deutschland beruflich neu anzufangen. „Wir hatten ein Telefonat und ein Web-Meeting und dann haben wir uns in einem Café in Freiburg getroffen“, erzählt Karen Melgarejo. „Es hat von Anfang an gut geklappt.“ Auch fachlich gab es viele Gemeinsamkeiten, die den Austausch erleichterten. Und: Karen Melgarejo war selbst Mentee in dem Programm. Sie kann sich also genau in die Situation ihrer Mentee hineinversetzen. In der Rolle der Mentorin hat sie gelernt, genau zuzuhören, was ihre Mentee möchte und den Entwicklungsprozess im Tempo ihrer Mentee zu begleiten. 

Ich bin dankbar für dieses Programm. Es hat mir geholfen, meinen Weg und eine gute Arbeit zu finden, und ich wollte durch meine Arbeit als Mentorin etwas zurückgeben.

Karen Melgarejo

Celine Johny ist im Oktober 2022 nach der Hochzeit ihrem Mann gefolgt, der in Deutschland studiert hat. In Indien hatte sie nach dem Studium vier Jahre im Sportbereich als Ernährungswissenschaftlerin gearbeitet. Sie lernt zunächst einmal Deutsch und prüft ihre beruflichen Optionen, die hier in Deutschland eher im klinischen Bereich angesiedelt sind. Sie macht ein Praktikum im Bereich Qualitätsmanagement und findet diesen Bereich sehr interessant. Als sie in das Programm der Kontaktstelle Frau und Beruf kommt, hat sie schon anderthalb Jahre einen Job gesucht. Die Unterstützung ihrer Mentorin kommt zur rechten Zeit. 

„Karen hatte einen systematischen Ansatz. Dort haben wir das Ziel bestimmt und dann geschaut, welche Schritte wir machen können. Mein Ziel war ganz einfach: Eine Arbeit zu finden. Aber ich hatte entschieden, dass ich gerne in den Bereich Qualitätsmanagement gehen möchte“, erzählt Celine Johny. „Das war jedoch nicht direkt möglich. Mit meinem indischen Hintergrund mussten erst die ausländischen Zertifikate anerkannt werden und Karen hat mir erklärt, wie das geht.“

Karen Melgarejo arbeitet mit Celine Johny in der gleichen Art und Weise, wie damals ihre eigene Mentorin mit ihr. Dabei hilft ihr die gut strukturierte Form des Mentorings. Karen Melgarejo beschreibt den Prozess: „Am Anfang steht die Zielvereinbarung. Dann haben wir geschaut, was möglich ist und was nicht. Wenn das Ziel heißt, eine Arbeit zu finden, müssen wir zunächst schauen: Wie funktioniert der Arbeitsmarkt? Was ist im Moment gefragt? Welche Stärken und Schwächen hat Celine? Wie sieht ihr Lebenslauf aus? Da haben wir ihr Potenzial herausgearbeitet. Und wir haben geschaut, was sie braucht, um in den Bereich Qualitätsmanagement gehen zu können. Dafür war eine entsprechende Weiterbildung notwendig. Wir haben Anbieter für diese Kurse recherchiert und geschaut, ob die Agentur für Arbeit die Kosten für diese Weiterbildung übernimmt. Sie durfte schließlich den Kurs absolvieren und das war das erste „Plus“. Sie hat über weitere Deutschkurse noch ein höheres Sprachlevel erreicht, das war das zweite „Plus“. Das hat ihre Chancen auf eine Stelle erhöht.“

Doch auf dem Weg gibt es Durststrecken zu überwinden. Die Bewilligung der Weiterbildung zieht sich über ein Jahr hin. „Ich habe mein Sprachlevel erhöht und meinen Teilzeitjob gekündigt, weil ich eine Förderung nur als Arbeitssuchende bekomme“, erzählt Celine Johny. „Also habe ich ein Jahr damit verbracht, auf Antworten zu warten. Dieses Jahr war sehr schwierig für mich." Am Ende erhält sie die Zusage für die Förderung. In dieser Zeit ist die Unterstützung ihrer Mentorin besonders wichtig. 

 

In dieser schwierigen Zeit hat Karen mich motiviert. Sie hat selbst recherchiert und mir Vorschläge gemacht, was ein nächster Schritt sein könnte. Sie hat mir geholfen, wieder eine Perspektive zu finden.

Celine Johny

Schon einen Monat nach Beginn der Weiterbildung findet Celine Johny ihren Traumjob im Qualitätsmanagement bei einem Medizintechnik-Unternehmen in Lenzkirch. Der Kurs hat sich für sie gelohnt: Dort lernt sie die Fachbegriffe des Qualitätsmanagements, mit denen sie heute täglich arbeitet. Auch für Karen Melgarejo geht es weiter: Sie wechselt noch einmal die Stelle und arbeitet inzwischen in einem Tuberkulose-Labor in München.

Karen Melgarejo ist überzeugt, dass die Arbeit der Kontaktstellen Frau und Beruf sehr wertvoll für ihren eigenen beruflichen Weg und den vieler anderer Frauen in einer ähnlichen Situation ist. „Die Mitarbeiterinnen der Kontaktstelle in Freiburg machen eine wunderbare Arbeit. Sie nehmen sich viel Zeit für ihre Klientinnen. Sie machen eine sehr gute Arbeit, die Mentorinnen und Mentees zusammenzubringen. Die Empathie ist sehr gut. Hier treffen sich sehr verschiedene Frauen mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichem Migrationshintergrund. Wir sind alle bei der Auftaktveranstaltung des Mentorinnen-Programms gewesen. Da kann man wirklich spüren, dass wir eine Gemeinschaft sind. Alle mit dem gleichen Ziel: Hier unseren Platz zu finden. Hier erfahren Frauen Wertschätzung und Anerkennung.“

Für mich war dieses Programm ein wichtiger Baustein für meinen Erfolg.

Karen Melgarejo

Auch Celine Johny schätzt den persönlichen Austausch der Frauen auf den Veranstaltungen. „Ich fand es gut, andere Frauen in der gleichen Situation dort treffen zu können. Es gibt die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und voneinander zu lernen. Und wir haben Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Etliche Frauen haben keine oder wenig Gelegenheit, mit anderen Gleichgesinnten zu sprechen. Hier haben wir einander und können einander helfen.“

Celine Johny hat auch die Blogs auf der Website der Kontaktstellen Frau und Beruf über die Erfolgsgeschichten anderer Tandems aus dem Mentoring-Programm gelesen. „Das war sehr hilfreich. Ich habe dort Ratschläge gefunden. Und ich habe in meiner Mentorin eine Freundin gefunden. Dieses Programm sollte unbedingt weitergehen und weiteren Frauen helfen“, findet sie. 

Karen Melgarejo bringt es am Schluss auf den Punkt: „Erfolg kennt keine Herkunft." Das gelte für viele Frauen im Mentorinnen-Programm. „Wir mussten alle unseren Platz finden."

Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg – Südlicher Oberrhein im September 2026

Informationen zur Kontaktstelle Freiburg – Südlicher Oberrhein

Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg – Südlicher Oberrhein 

Celine Johny und Karen Melgarejo; Foto: Privat

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