Seit 2023 engagiert sich Ellen Wilhelm als Mentorin im Mentorinnen-Programm für Migrantinnen und unterstützt die Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald mit großem ehrenamtlichem Einsatz.
Die studierte Betriebswirtin arbeitet als Marketing-Managerin und bringt dabei nicht nur ihre berufliche Expertise, sondern auch ihre eigenen Erfahrungen mit Migration in die Mentorinnenarbeit ein.
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Kontaktstelle Nordschwarzwald sowie des 10-jährigen Bestehens des Mentorinnen-Programms haben wir mit Ellen Wilhelm über ihre Motivation, ihre Erfahrungen und die Bedeutung des Programms gesprochen.
Wie bist du zum Mentorinnenprogramm gekommen und was waren deine Beweggründe Mentorin zu werden?
Auf das Programm bin ich über LinkedIn gestoßen. Erst Neugier, dann direkt gehandelt – Kontakt aufgenommen und sofort ein gutes Gefühl gehabt. Was es für mich besonders passend gemacht hat: Ich kam selbst gerade aus einer Bewerbungsphase und hatte frisch den Job gewechselt. Ich wusste also sehr genau, wie sich diese Phase anfühlt – zwischen Zweifel, Entscheidung und Neuanfang. Genau deshalb wollte ich Mentorin werden: nicht aus der Theorie heraus, sondern aus einer Situation, die ich selbst gerade erlebt hatte.
Wie lange bist du bereits als Mentorin aktiv und wie würdest du deine bisherigen Erfahrungen im Programm beschreiben?
Ich bin seit 2023 als Mentorin dabei. Und ehrlich gesagt: Es ist jedes Mal beeindruckend, mit wie viel Kompetenz, Klarheit und gleichzeitig auch Unsicherheit viele der Frauen hier ankommen. Was mich besonders prägt, sind nicht die „offiziellen“ Formate, sondern die echten Gespräche – die Momente, in denen sich Perspektiven verschieben und plötzlich Dinge möglich erscheinen, die vorher blockiert waren. Das Programm ist für mich kein Rahmen, sondern ein Raum, in dem Entwicklung wirklich passiert.
Was macht für dich die Zusammenarbeit mit den Mentees besonders spannend und bereichernd?
Was mich besonders fasziniert, ist die Perspektive der Mentees. Die Art, wie sie denken, wie sie ihre Situation reflektieren und wie sie die Welt wahrnehmen, ist unglaublich bereichernd. Für mich persönlich ist genau das der größte Mehrwert: Dieser Perspektivwechsel. Man hinterfragt die eigenen Denkmuster, wird offener und nimmt vieles bewusster wahr, vieles ist nämlich absolut nicht selbstverständlich.
Was motiviert dich immer wieder mitzumachen?
Es sind die Momente, in denen man merkt, dass etwas ankommt. Wenn im Gespräch plötzlich ein Gedanke „klick“ macht – dieser Aha-Moment. Diese kleinen, aber entscheidenden Entwicklungen mitzuerleben, ist unglaublich motivierend und gibt mir jedes Mal das Gefühl, dass die gemeinsame Arbeit wirklich etwas bewegt.
Welche Themen und Fragen bringen die Mentees oft mit und was können die Mentees aus dem Programm mitnehmen?
Die Themen sind sehr individuell. Manche Mentees möchten konkret in eine bestimmte Position einsteigen, andere möchten nach einer Pause wieder an ihre berufliche Laufbahn anknüpfen oder sich neu orientieren.
Was sie alle mitnehmen können, ist vor allem Klarheit – über ihre eigenen Stärken, ihre Möglichkeiten und die nächsten Schritte. Und oft auch ein gestärktes Selbstvertrauen, diesen Weg wirklich zu gehen.
Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben aus deinen bisherigen Durchläufen?
Ein Moment, der mir immer wieder in Erinnerung bleibt, ist die Phase vor einem Bewerbungsgespräch. Ich merke dann oft, dass ich fast genauso aufgeregt bin wie meine Mentees selbst. Dieses Mitfiebern zeigt, wie eng und vertrauensvoll die Zusammenarbeit wird – und wie sehr man gemeinsam in den Prozess eintaucht.
Was würdest du Frauen raten, die überlegen Mentorin zu werden?
Ich würde sagen: Mach es. Jede Form von Ehrenamt und jede Unterstützung für andere Menschen ist wertvoll. Und sich bewusst dafür zu entscheiden, Frauen zu fördern und zu stärken, hat eine ganz besondere Wirkung – sowohl für die Mentees als auch für einen selbst. Man gibt viel – und bekommt mindestens genauso viel zurück.
Vielen Dank Ellen für dein Engagement und das Interview.
Ellen Wilhelm zeigt uns stellvertretend für alle Mentorinnen: Wenn wir Menschen begleiten, öffnen wir nicht nur Türen für andere – wir öffnen auch neue Türen in uns selbst. Mentoring verändert Wege, Perspektiven und manchmal sogar ganze Lebensgeschichten. Gemeinsam schaffen wir Räume, in denen Mut wächst, Potenziale sichtbar werden und Zukunft neu gedacht werden kann.