Aisha Haidari ist "angekommen"

Mentorinnen-Programm wirkt nachhaltig: Eine Afghanin findet ihren beruflichen Weg

Aisha Haidari sagt mit Stolz: „Ich bin angekommen !“ Damit meint sie nicht nur beruflich, sondern insgesamt auf Deutschland bezogen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte ihre Teilnahme am Mentorinnen-Programm für Frauen mit Migrationshintergrund im Jahr 2020, das von der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald durchgeführt wurde. Über die sprachlichen und beruflichen Herausforderungen, denen sich die qualifizierte junge Afghanin gegenübersah, seit sie 2016 nach Deutschland kam, haben wir bereits in unserer Erfolgsgeschichte über das Tandem Aisha Haidari als Mentee und Friederike Keitel als Mentorin berichtet. Dass die Geschichte nicht nach 8 Monaten Laufzeit des Mentorinnen-Programms endet, sondern für viele Frauen erst der Anfang ist, zeigt das Beispiel dieser beiden engagierten Frauen. Auch nach 3 Jahren stehen beide noch miteinander in Kontakt.

„Fang einfach etwas an“

Friederike Keitel motivierte Aisha Haidari von Anfang an, nicht darauf zu warten, dass ihr Bachelor in Chemie in Deutschland irgendwann anerkannt bzw. sie das Sprachniveau erreichen würde, um das Studium in Deutschland ab dem 2. Semester wiederholen zu können. Stattdessen sprach sie mit ihrer Mentee über ihre Stärken, Talente und Interessen – und empfahl ihr, eine Ausbildung zu machen.

 

Als ich Friederike getroffen und gesehen habe, wie aktiv sie ist und wie viele Kontakte sie hat, hat mich das angsteckt, ich habe von ihr gelernt, dass man keine Zeit verlieren darf.

Aisha Haidari

Gesagt, getan. Mutig bewarb sie sich bei Banken sowie bei Versicherungen und Finanzdienstleistern. Heute befindet sie sich bereits im 2. Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen – und ist voller Begeisterung dabei. Ihre sprachlichen Defizite ließen sie in der Kommunikation in der Berufsschule und mit den Kolleg:innen zunächst etwas zurückhaltend agieren, wovon heute nichts mehr zu spüren ist. Mittlerweile zahlt sich der starke Wille von Aisha Haidari aus. Sie hat sich viel Wissen angeeignet und kennt sich inzwischen in verschiedenen Fachgebieten sehr gut aus. Das nutzt sie, um ihrer Familie und vielen anderen Menschen in ihrem Umfeld ehrenamtlich bei der Beantwortung von Schreiben seitens Versicherungen und Banken zu helfen oder die entsprechenden Sachbearbeiter:innen zu kontaktieren. Wie sie das alles als Ehefrau und Mutter einer 7-jährigen Tochter hinbekommt, beeindruckt auch ihre ehemalige Mentorin.

Ich freue mich sehr, wie Aisha hier ihren Weg geht und ihre Haltung, anderen etwas zurückgeben zu wollen.

Friederike Keitel

Auch der Arbeitgeber von Aisha Haidari ist sehr mit den Leistungen seiner Auszubildenden zufrieden und hat die wöchentliche Arbeitszeit auf 34 Stunden reduziert, damit sie mehr Zeit für ihre Tochter hat. 

„Irgendwann mache ich mich selbstständig“

Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber Aisha Haidari hat Pläne. Ihre Liebe zur Chemie ist ungebrochen, sodass sie sich vorstellen könnte, vielleicht als Nachhilfelehrerin zu arbeiten. Ihr afghanischer Bachelor in Chemie wurde mittlerweile anerkannt. Das Versicherungswesen wird sie ebenfalls nie verlassen, so viel steht fest. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.

Mir geht das Herz auf, wenn ich das lese. Es zeigt nicht nur die sehr gute Arbeit der Kontaktstellen Baden-Württembergs, sondern auch, dass das Programm wirkt – und zwar nachhaltig. 

Marija Madunic Leiterin der Kontaktstelle Nordschwarzwald

Infos zum Format Mentorinnen-Programm für Frauen mit Migrationshintergrund finden Sie hier: https://www.frauundberuf-bw.de/mentorinnen-programm

Kontaktstelle Frau und Beruf  Nordschwarzwald, August 2023

Mentee Aisha Haidari (links) und Mentorin Friederike Keitel (rechts)

Aisha Haidari (l.) ist nach drei Jahren immer noch mit ihrer Mentorin Friederike Keitel (r.) in Kontakt.


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